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Ich möchte das Leben in Geschichten verwandeln und umgekehrt

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Schon als ziemlich kleines Kind habe ich begriffen, dass das reale Leben meist viel langweiliger ist als ein Roman. Dass es durchaus Momente gibt, in denen etwas Großartiges, Spannendes, Ergreifendes geschieht. Dass diese Momente aber immer abgelöst werden von Alltäglichem, Belanglosem, Überflüssigem. Was nirgendwohin führt, einen keinen Schritt weiter bringt. Und wenn solche Passagen in Büchern vorkamen, habe ich diese von jeher nur quer gelesen.
Zum Glück hatte ich meine Phantasie. Die mich gerettet hat, indem sie mir ermöglichte, mein eigenes, normales Dasein hinter mir zu lassen und stattdessen in die Rolle immer neuer Romanfiguren (die anderer Autoren, aber auch selbst ausgedachter) zu schlüpfen.
Welche natürlich ausschließlich relevante Szenen erlebten.
Auch Schmerz und Leid. Aber nur, damit das Happy End umso sehnsuchtsvoller gewünscht – und schließlich umso schöner und beglückender wurde.
Mit dem Erwachsenwerden habe ich herausgefunden, dass ich auch in meinem realen Leben Prämissen (er)finden und erfüllen kann und tue das auch eifrig.
Natürlich kann ich den ruhigeren Phasen des Lebens nicht entkommen. Habe jedoch das Gegenmittel dafür gefunden: das Schreiben.
Ich lasse meine eigene Person hinter mir und schlüpfe in meine Figuren, um deren Leben mit ihnen zu leben. Ich denke, fühle, handle in ihrer Haut. Und lasse sie leiden, kämpfen, nach Lösungen suchen, sich entwickeln – und eines Tages ihr Glück erreichen.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich als Schriftstellerin dasselbe tue wie als kleines Mädchen damals.

Durch das Schreiben habe ich mehr als mein eines Leben. Und unendlich viel mehr Aspekte des menschlichen Lebens zur Verfügung, die ich erforschen und verarbeiten kann.

Ganz nebenbei beweise ich dadurch immer wieder meine Grundüberzeugung im Leben: „Jeder Mensch hat die Fähigkeit, sein Leben mit sinnvollen Prozessen zu füllen, diese zu verfolgen und umzusetzen – und schließlich glücklich zu werden.“

Als ich mich mit Schreibtheorie beschäftigte, lernte ich, dass das, was ich im realen Leben meiner Kindheit vermisste – und was ich ersatzweise inszenierte, indem ich die Rolle einer Romanfigur übernahm – Prämisse heißt.
Der Weg von einem wie auch immer gearteten, unperfekten Anfangszustand zu einem Ziel, das Glück verspricht.
Mein Leben und Schreiben besteht also daraus, im Chaos des Daseins unendlich viele interessante Prämissen zu entdecken, in meinen Büchern in eine nachvollziehbare Handlung zu übersetzen – und dann zu erfüllen.

Mein Schwerpunkt liegt im Inneren meiner Protagonisten. Ich finde nichts spannender als deren innere Entwicklungsprozesse und die Auswirkungen, die diese Geschehnisse auf ihre Beziehungen haben. Dann würze ich das Ganze mit einer Mischung aus Drama, Sehnsucht und Erotik – und fertig ist die typische Runa-Geschichte.

 

Runa Winacht