Weiß wie Schnee,

schwarz wie Ebenholz,

rot wie …

Wolf klein

Nein, diese Geschichte ist kein Märchen!

Die Blutbuche

Wolf groß

Bumm, bumm. Dumpfe Schläge an der Haustür. Wie Donner, plötzlich und unvermutet.

Erschrocken sprang Adela auf, so abrupt, dass ihr die Stopfarbeit aus den Händen glitt. Obwohl es beileibe nichts Neues war, dass ihr Vater auch noch spätabends oder nachts Besuch bekam, erschrak sie doch jedes Mal bis ins Mark. Und einen Moment war ihr dann, als würde der Leibhaftige vor der Tür stehen. Oder Schlimmeres.

Dabei war es sicherlich nur späte Kundschaft. Hier in Krumau schien es Sitte zu sein, zu nachtschlafender Zeit den Zimmerer zu benötigen. Adela schüttelte den Kopf. Heute ging es ja gerade noch, aber letzte Woche, da war Vater aus dem Bett geholt worden. Und obwohl es weit nach Mitternacht gewesen war, hatte er dennoch sofort gehen müssen. Wie immer, wenn es nachts klopfte. Zur Baustelle, war stets seine Begründung, da stimme etwas nicht. Was mochten das nur für Baustellen sein, die nicht bis zum nächsten Tag warten konnten?

Adela lief zur Zimmertür, zog sie einen Spalt auf. Vater, eine Lampe in der Hand, eilte bereits wort- und blicklos an ihr vorüber. Er hatte sie also nicht bemerkt. Nun mutiger, huschte sie in den Flur und drückte sich in eine kleine Nische.

Wer ist da?“

M-mach auf, Zim-mmerer“, drang es von draußen herein. „Wir b-brauchen d-dich.“

Vater schob den Riegel zurück, hob die Lampe und öffnete die Tür. „Schmied? Schon wieder?“

Adela reckte den Kopf. Doch der Besucher stand außerhalb des des kleinen Lichtkreises. Sie konnte nur erkennen, dass er groß war, ungeschlacht, und etwas, wahrscheinlich seinen Hut, nervös in den Händen drehte.

‚F-ferdl, s-s hat wieder ein‘ d-derwischt“, stotterte er. „D-drüben, an der alten B-blut-b-buche.“

Wovon sprach der Mann? Adela trat aus der Nische, um besser sehen und hören zu können. Die alte Blutbuche – war das nicht der Baum ganz vorn in der Moldaubiegung? Dessen ausladende Zweige fast das Wasser berührten?

Wen diesmal?“

Vaters Stimme fuhr durch ihre Gedanken wie ein Messer durch weiches Schmalz.

Den G-gerbergsell vom B-breinauer. P-paul H-haas heißt er. Jetzt b-brauchen sie dich mit d-deim W-werkzeug, haben’s g’sagt.“

Adela atmete nicht mehr. Jede Faser ihres Körpers angespannt, versuchte sie, über ihr plötzlich losrasendes Herz hinweg zu verstehen, wovon der Mann redete. Ganz sicher nicht von einer Baustelle. Davon abgesehen, dass sie den Platz kannte, wo die Blutbuche stand. Ringsum nur Wiese und die Moldau. Keine Gebäude. Außerdem klang der stotternde Mann so gar nicht danach, als bräuchte er die Hilfe eines Handwerkers.

Du w-weißt ja, es muss sch-schnell g’macht w-wern. Also k-komm g-gleich mit.“

Ich hole meine Sachen.“

Kaum waren Vaters Worte verklungen, kamen schon seine eiligen Schritte heran. Direkt auf sie zu.

Keine Zeit, sich zu verbergen. „Vater, was ist denn?“ Adela starrte ihm entgegen. „Warum wirst du mitten in der Nacht fortgerufen?“

Zimmererarbeit, wie immer. Geh zu Bett, Mädchen.“ Vater stob an ihr vorbei, hinter die Treppe, in seine Werkstatt. Doch schon einen Moment später kam er wieder. Beladen mit einem schwer scheinenden Sack. Der musste griffbereit hinter der Tür gestanden haben. Adela beschloss, gleich morgen die Werkstatt danach abzusuchen.

Geh zu Bett“, wiederholte er. „Das hier ist nichts für dich.“

Vater!“ Ihr Ruf war nicht einmal zur Hälfte Verzweiflung. Der weitaus größere Teil davon war Enttäuschung darüber, dass er ihr nichts sagte. Keine Erklärung, kein noch so kleines Wort, was denn so Geheimnisvolles vor sich ging, dass es auf der Stelle erledigt werden musste.

Ohne sie weiter zu beachten, eilte Vaters schmale Gestalt neben dem grobschlächtigen Schmied die Gasse hinab.

Was ist mit diesem Paul Haas?“, schrie sie in trotziger Aufwallung hinterher.

Mit durchschlagendem Erfolg, wie sie sogleich feststellen konnte. Der Vater blieb abrupt stehen, wandte sich um, kam dann sogar ein paar Schritte heran. „Adela, ich habe keine Wahl. Wenn du klug bist – und ich weiß, das bist du, also, sei es bitte auch jetzt – geh ins Zimmer und bete einen Rosenkranz für mich. Versprichst du mir das?“ Er wartete ihre Antwort nicht ab, lief schon wieder los. Aber nur, um sich vor der Ecke ein letztes Mal umzuwenden: „Verschließe die Türen und – lass den Knoblauch hängen!“ Er winkte ungeduldig, verharrte, bis sie sich in Bewegung setzte. Erst dann verschwand er endgültig.

Weisungsgemäß verriegelte Adela die Tür. Dabei fiel ihr Blick auf den daran hängenden Kranz aus Knoblauchkraut und -knollen. Knoblauch und Rosenkranz. Beides, hatte Vater ihr soeben aufgetragen, sollte sie nutzen. Beides schützte – gegen Vampire.

Das war es. Darüber wurde in letzter Zeit reichlich gemunkelt. Nicht, dass Adela schon mal einen gesehen hätte, aber sie wusste immerhin, dass Vampire zur Geisterstunde um Mitternacht aus ihren Gräbern stiegen und auf Jagd gingen. Um ihren Durst zu stillen –ihren Durst nach Menschenblut.

Schlagartig wurde ihr kalt. Fürchtete Vater, da draußen könnten Vampire sein? Hier, mitten in Krumau?

Hastig riss sie die Lade auf, holte ihren Rosenkranz heraus, schlang ihn um ihre Rechte und umfasste das kleine Kreuz ganz fest. Doch statt zu beten, überlegte sie: Was hatte Vater mit Vampiren zu tun? Was hatte er in dem Sack davongetragen? Und wer war dieser Paul Haas?

Erst als die Lade bereits geschlossen war, wurde ihr bewusst, was sie soeben gesehen hatte, und sie riss die Schublade wieder auf. Tatsächlich! Da lag der Rosenkranz des Vaters.

Er war da draußen – schutzlos? Oder bestand doch keine Gefahr durch Vampire – und er hatte nur vorsorglich gewarnt?

Den Entschluss fällte Adela sehr plötzlich. Sie würde selbst nachsehen, was los war. Der vergessene Rosenkranz war der allerbeste Vorwand dafür, den würde sie Vater bringen. Und ihr drohte schließlich keine Gefahr. Mit seinem und ihrem eigenen war sie sogar doppelt geschützt. Schnell hängte sie sich den großen, aus dunklen Holzperlen bestehenden Rosenkranz des Vaters um den Hals, schlang sich ihr Tuch um die Schultern und lief hinaus, den Männern hinterher. Zur Blutbuche, hatte der Schmied gesagt.

Es war ziemlich dunkel. Am leicht bewölkten Sternenhimmel stand eine schmale Mondsichel, und so konnte Adela den Weg nur schlecht erkennen. Aber sie musste ja lediglich ein Stück die Fischergasse entlang. Dort vorn, direkt in der Flussbiegung, stand die Blutbuche, ein knorriger alter Baum. Unter dem die Kinder spielten, während die Frauen im Fluss die Wäsche wuschen. Tagsüber war das einer der offiziellen Waschplätze des Ortes. Wohin auch Adela stets ging, wenn sie große Wäsche hatte, denn dort fand sie immer Hilfe fürs Schrubben und Wringen. Allerdings jetzt bei Dunkelheit – was würde sie dort erwarten?

Jaulend zogen unheimliche Laute durch die Nacht und machten Adela frieren. Mit stockendem Atem blieb sie stehen, unwillkürlich folgten ihre Augen den Geräuschen, blieben schließlich am Schloss hängen. Warum musste die Fürstin ausgerechnet Wölfe halten? So nah! Adela zog das Tuch enger um sich und eilte weiter. Die Bestien dort oben waren eingesperrt. Was sie nicht davon abhielt, Nacht für Nacht den Mond anzuheulen.

An der Gojau-Brücke lief sie vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Weiter den Pfad an der gurgelnden Moldau entlang.

Jahuuuuu!“ Diesmal jaulte es von der anderen Seite, nicht vom Schloss. Gleichzeitig schob sich eine Wolke vor den Mond. Es wurde finster.

Adela begann zu rennen. Das mussten wilde Wölfe sein, die vom Geheul der Schlosswölfe angelockt worden waren. Die wilden kamen für gewöhnlich nicht in die Stadt. Im Winter vielleicht. Aber jetzt, im Oktober …

Au!“ Der Schlag war urplötzlich gekommen. Von vorn.

Adela schnellte rückwärts weg, als sie den Peitschenhieb ins Gesicht spürte. Ein Angriff! Sie flüchtete zur Seite.

Aber da, der nächste Hieb, quer über die Stirn.

Dämonen, das konnten nur Dämonen sein! Die schwangen doch stets Peitschen, oder? Aber heulten die wie Wölfe? Panisch fuhren ihre Hände nach oben, schlugen wild herum. Weg damit, weg! Adela riss ihren Oberkörper zurück, wich nach hinten, wandte sich um. So schnell wie möglich weg von hier. Ihre Beine gehorchten, aber langsam, viel zu langsam, wie in einem Albtraum, in dem man nicht von der Stelle kam, so verzweifelt man auch schneller werden wollte …. Hilfe! Ihr Schrei blieb stumm, die Kehle wie zugeschnürt. Hilflos ruckten ihre Hände an den aufgerissenen, aber so stillen Mund.

Da kam der dritte Schlag. Pfeilschnell. Quer übers Gesicht. Auf ihren Hals. Etwas riss an Vaters Rosenkranz. Der Dämon?

Wieder blieb Adela still, konnte nur hilflos gegen ihre Lähmung anröcheln. Sie war verloren.

Ein letztes Mal schoss sie herum, versuchte zu fliehen. Ein Schritt, zwei – es ging. Endlich! Sie wurde schneller, rannte, ohne zu wissen, wohin.

Da, ein erneuter Schlag! Wieder von vorn. Immer kamen sie von vorn, ganz egal, wo vorn war. Sie mussten überall sein!

Adela riss den Kopf zurück, kniff die Augen fest zu und wurde noch schneller. Rannte blindlings, die Arme schützend vorm malträtierten Gesicht. Weg hier, nur weg. Nun flogen ihre Füße über den Boden, ein Glück.

Dann endlich kein Schlag mehr. Überhaupt keine Geräusche. Nur ihr angstvolles Herz und ihr rascher Atem. War sie in Sicherheit? Aber weit konnten die Dämonen noch nicht weg sein. Vorsichtshalber lief sie weiter.

Bis der Boden unter ihr wegsackte. Die Arme hochreißend, fiel sie nach vorn, machte panische Sätze, um sich abzufangen. Da spritzte es kalt um sie auf – und da war der Untergrund wieder. Sie stolperte noch einige sehr schwerfällige Schritte, immer in der Panik, nach vorn zu stürzen, bis sie sich fangen konnte. Dann endlich stand sie still.

In ihren Ohren rauschte die Angst, und so dauerte es einen Moment, bis sie die Eiseskälte fühlte. Wasser. Sie stand bis über die Knie im Wasser. Oh Gott, wo war sie? Sie fuhr herum, starrte in die Dunkelheit, fühlte sich nach wie vor in schrecklicher Gefahr. Ihr Verstand arbeitete noch langsamer als ihre Sinne. Und so schnellte sie um und um. Und noch einmal. Bis sie wieder klar denken konnte.

Wie war sie ins Wasser geraten? Gerade eben war sie doch noch auf dem Weg gewesen? Schwer atmend sah sie zum dunkel vor ihr aufragenden Ufer. Wo es völlig still war, keine Bewegung. Keine Dämonen, überhaupt nichts.

Nur langsam reimte sie zusammen, was geschehen sein musste. Irgendwie war sie vom Weg abgekommen, ins Ufergebüsch geraten. Was sich wie ein Angriff angefühlt hatte, waren Zweige und Äste gewesen, die ihr ins Gesicht gepeitscht hatten, als sie immer panischer hindurch geprescht war.

Und nun stand sie in der Moldau. In einer kalten Oktobernacht. Zitternd, unfähig sich zu rühren. Aber keine Dämonen, welch ein Glück! Sie atmete tief durch, machte sich daran, ans Ufer zu klettern – und erstarrte schon wieder: durchdringendes Wolfsgeheul von vorn und hinten gleichzeitig.

Erst als sich die Wolke am Mond vorbeigeschoben hatte und es heller wurde, erst als Adela wieder etwas erkennen konnte, erst als die Fluten an ihren Beinen brannten, war sie in der Lage, zu reagieren. Raus hier. Schnell!

Mit wankenden Beinen schleppte sie sich zum nächsten Steinbrocken. Auch wenn alles in ihr nach Flucht schrie, sie musste erst ein wenig ausruhen.

Als sie saß, spürte sie den scharf ziehenden Schmerz der Zweighiebe auf ihren Wangen, ihrem Mund, klebrige Feuchtigkeit in ihrem Gesicht. Oh ja, ihre Finger tasteten Schwellungen und Risse, fühlten Blut und Tränen in kleinen Rinnsalen über Kinn und Hals laufen. Sie war verletzt, total verängstigt und sollte sofort nach Hause zurückgehen.

Genau das wollte sie ja auch, nichts anderes. Zurück in die Geborgenheit und Sicherheit ihres Heims.

Sie rutschte vom Fels, stützte sich mit einer Hand auf, um zu erproben, ob ihre Knie, die sich noch immer alles andere als ruhig anfühlten, sie wieder tragen konnten.

Da, Hammerschläge. Aus Richtung der Blutbuche.

Vater! Den hatte sie ganz vergessen. Seinetwegen war sie doch hier. Zwar war sein Rosenkranz verloren, wie bestürzt feststellte, aber wenigstens würde sie bei ihm sein. Das war das Wichtigste! Wo ihr Vater war, wäre sie in Sicherheit. Schließlich beschützte der sie schon immer.

Adela wischte sich mit ihrem Tuch übers Gesicht. Sie wollte ihm weder verheult noch verrotzt gegenübertreten.

Der Mond trieb seine Possen mit ihr – und versteckte sich erneut hinter einer Wolke. Die Dunkelheit verschluckte jeden Schemen. Adela, die die Blutbuche bereits in der Ferne hatte erahnen können, behielt einfach die Richtung bei. Auch wenn ihre Knie noch wankten, auch wenn sie schlotterte vor Kälte.

Denn sie hatte sich nicht verhört. Die Geräusche kamen genau von dort. Allerdings kein Klopfen mehr, eher ein Hacken. Und dazu Männerstimmen. Bei ihnen waren mit Sicherheit keine Wölfe – und auch keine Dämonen.

Vater!“ Ihre eigene Stimme krächzte noch immer. Aber egal.

Was dann geschah, verstand Adela ganz und gar nicht.

Als das Licht des Mondes zurückkam, sah sie, dass sie angelangt war. Sie erkannte eine Gruppe von Männern, die auf den Boden starrten. Sie sah auch, dass ihr Vater gerade ein Beil hob – und auf das einschlug, was sie in diesem Moment als einen liegenden Menschen erkannte.

VATER!“

Zack. Das Beil hatte sich in den Körper gefressen.

Dann Stille.

Adela verfolgte, wie Vater den Kopf hob, seinen Blick von dem Mann unter ihm langsam, entsetzlich langsam ihr zuwandte. Seine Augen im kalkweißen Gesicht waren blutunterlaufen.

Einen Moment lang starrte er sie nur an. Wie die anderen Männer auch. Furchterregend.

Adela hob ihre Hände, reckte sie dem Vater entgegen. Ich bin in Not, bitte hilf mir – wollte sie rufen. Doch wieder kam nur heiseres Krächzen über ihre Lippen.

Da schrie einer der Männer auf.

Adela, die den Ruf nicht verstand, sah zu dem auf dem Boden liegenden Körper. Dessen Kopf abgetrennt daneben lag. Die Schreie, die jetzt ihrem Hals entwichen, waren sehr deutlich zu hören.

Adela“, sagte ihr Vater und starrte sie an, als wäre sie ein Geist. „Was ist mit dir geschehen?“

Ich bin …“, begann sie, wurde jedoch jäh unterbrochen.

Ein Vampir!“, schrie eine männliche Stimme.

Adela blinzelte verwirrt. Wo war hier ein Vampir? Der Geköpfte vielleicht? Sie warf einen Blick auf den Körper, aus dessen Brust tatsächlich ein Holzpfahl ragte.

Adela“, wiederholte ihr Vater und seine Gesichtsfarbe wechselte plötzlich von bleich zu rot. Er griff sich ans Herz und röchelte. „Meine Adela!“

Aaah, noch ein Vampir!“ Wieder diese Stimme. Warum schrie der Mann so?

Als ihr Vater wankte, sprang Adela mit weit vorgereckten Armen auf ihn zu. „Was hast du getan?“

Seht doch, sie ist ein Vampir!“ Eine Hand wies – auf sie?

Das war lachhaft – und überhaupt völlig unwichtig. Adela eilte zu ihrem Vater, der, immer noch röchelnd, inzwischen neben dem Geköpften zu Boden gesunken war.

Abwehrend schlug er nach ihr.

Vater! Vater, was ist mit dir?“

Nur am Rande merkte sie, dass die anderen Männer zur Seite gesprungen waren, zurückwichen. Dort, wo sie sich befand, gab es nur den Kopflosen – und ihren Vater. Mit inzwischen dunkel angelaufenem Gesicht und wild zuckenden Lippen.

Vater!“ Adela sank auf die Knie, beugte sich vor, zu ihm, ganz nah. „Was hast du?“

Doch so sehr sie lauschte, so nah sie ihm auch kam, sie hörte nur Geröchel. Hoch, schwer, unheilvoll. Und sie fühlte seine Hand an ihrer Schulter.

Die versuchte, sich von ihr wegzustemmen. „Was … meine Tochter … gemacht?“ Er rollte mit den Augen, in seinen Mundwinkeln hatte sich Schaum gebildet.

Vater, erkennst du mich nicht, ich bin es doch!“ Doch da fühlte sie seine Hand fallen, sah seine Lippen einfrieren, seine Augen brechen. Entsetzt starrte sie ihn an, berührte ihn, rüttelte an ihm. „Vater? Vater, wach auf!“ Doch sie bekam keine Zeit zu begreifen, was geschehen war.

Seht ihr das Blut an ihrem Mund? Sie hat ihn ausgesaugt!“

Aus dem Augenwinkel erkannte Adela, dass sich jemand genähert hatte, nach dem Beil griff, das noch immer neben dem Toten lag – und es hochriss.

Nein!“

Sie warf sich zur Seite, drehte sich im Gras, als das Beil neben ihr in die Erde biss. Sie wand sich, zuckte weg, als es erneut hochgerissen wurde.

Helft mir“, schrie der Mann, den sie in diesem Moment als den Schmied erkannte. „Holt einen Pfahl!“

Adela kreischte aus voller Kehle und starrte die riesige Gestalt mit dem Beil an. „Schmied, wie könnt Ihr …? Ich bin es doch.“

Doch der machte einen entsetzten Satz rückwärts. „Zu Hilfe!“

Niemand rührte sich.

Da schnellte Adela auf die Beine und rannte los. Weg hier. Ganz egal, wohin. Nur weg!

 

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