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Sie hat das, was ich nicht hab!

 

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Bevor wir uns trafen, schrieb jede auf ihre Weise.
Maria vielsträngige, verschachtelte, sich erst in mehreren Teilen zum komplexen Ganzen entwickelnde Geschichten voller Action, Runa gefühlsintensive, erotische Beziehungsdramen, die fast ohne Außenhandlung auskommen.
So sehr unsere Schreibvorlieben auch auseinanderdrifteten, es gab bereits Gemeinsamkeiten: Beide schrieben wir Fanfiction rund ums Harry-Potter-Universum, beide stellten wir unsere Geschichten ins selbe Fanfiction-Forum ein, beide hofften wir, dabei Gleichgesinnte kennenzulernen.
Es muss unsere Andersartigkeit gewesen sein, die uns angezogen hat. Aber es waren unsere Gemeinsamkeiten, die uns dazu bewogen haben, erste gemeinsame Schreibversuche zu unternehmen – im Bereich Fanfiction.

In unserem intensiven Austausch haben wir gelernt, wie sehr die Seite der Anderen unsere eigene bereichert. Mit der Zeit haben wir uns aneinander angenähert, jedoch ohne unsere jeweiligen Eigenheiten aufzugeben.
Nicht lange darauf begannen wir, gemeinsam historische Romane zu schreiben.

Die Geschichte unserer Versuchung

Wenn man auf der Suche nach einem Stoff für einen historischen Roman ist, lohnt es sich stets, ganz in der Nähe anzufangen. Und so ergab es sich quasi von selbst, das Kloster in Marias Wohnort genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir fanden dabei im 16. Jahrhundert, im Zuge der Reformationsstürme, die durch die klerikale Welt fegten, Aufstände, Massenfluchten, Einkerkerungen … wow! Ganz schnell war klar, das nehmen wir.
Als nächstes kam die Recherche. So genau wie möglich sollte die sein, wir wollten hautnah ran an die Geschehnisse. Also stürzten wir uns in die Klosteraufzeichnungen. Nonnen und Mönche, das lernten wir schnell, sind gründliche Chronisten. Es gab jede Menge alte Aufzeichnungen, Namenslisten, Inventarverzeichnisse … Aber da waren auch Überlieferungslücken.
Das ist das Allerbeste beim Schreiben, wenn man ohne Rücksicht auf die Realität seine eigenen Vorstellungen einbringen kann. Wir füllten also, revidierten wieder, weil doch noch alte Zeitzeugnisse auftauchten, glichen an …
Gleichzeitig arbeiteten wir uns in die Reformation ein, studierten Martin Luthers Geschichte.
Ab einem gewissen Punkt lief alles parallel. Wir schrieben, dazwischen dann Gespräche mit Spezialisten, Recherchefahrten, Phasen, in denen das Geschriebene umgebaut wurde …
Einen historischen Roman zu schreiben, der sich soweit wie möglich an die Realität anlehnen soll, das lernten wir dabei, ist eine hochkomplexe Angelegenheit.

Mittelalterromane und noch viel mehr

Noch immer ist es meist so, dass die Ideen und ersten Versionen unserer Plots Maria ausbrütet. Runa denkt natürlich mit, pickt sich aber in erster Linie die Charaktere und deren Beziehungen heraus und flicht diese Entwicklungen in die Handlung ein. Dann verteilen wir die Rollen – jede schreibt eine eigene Person – und los geht’s.

Der grobe Weg und das Ziel stehen von Anfang an fest, doch wir lieben es beide, den Protagonisten Möglichkeiten offen zu halten, sich spontan zu entwickeln. Oft entdecken wir nämlich erst beim Schreiben, also während wir in der Perspektive unserer Person stecken, dass sie in einer speziellen Situation etwas anderes tun muss, als wir ursprünglich geplant haben.
Darüber diskutieren wir dann, integrieren das Ergebnis in den Gesamtplot, gleichen den Weg an – und schreiben weiter.

Runas Spezialität sind zum Beispiel taktische Dialoge, in denen vorzugsweise eine Person die andere manipuliert, ohne dass diese das mitbekommt.
Maria dagegen ist unter anderem Expertin für Eskalationen. In eine an sich ruhige Situation bricht Unvorhergesehenes ein, kann gerade noch einmal beruhigt werden, doch dann …
Auf diese Weise haben wir Möglichkeiten, die wir einzeln nicht hätten.

Wir tauchen beim Schreiben tief in unsere Geschichten ein – was natürlich sehr faszinierend ist und darüber hinaus unglaublich Spaß macht.
Es versteht sich von selbst, dass wir die zu erfüllende Prämisse dabei niemals aus den Augen verlieren.

Runa Winacht & Maria G. Noel

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