Verles-Hammer

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Kürzlich …

war ich zu einer Lesung eingeladen. Axel Hacke.

Kennt ihr den? Schreibt seit Ewigkeiten Kolumnen, fasst sie zu Büchern zusammen und reist durchs Land, um daraus zu lesen. ›Der kleine Erziehungsberater‹ war der Anfang.
Irgendwann hat Axel Hacke angefangen, Verhörhämmer, bzw. Verleshämmer zu sammeln und in Kolumnen und Büchern zu veröffentlichen. Auch daraus hat er gelesen.
Es war sehr unterhaltsam, sehr lustig – und hat in mir Erinnerungen geweckt an eigene Erlebnisse.

Eines war dieses:

Englischunterricht, siebte oder achte Klasse. Wir lesen einen Text über London, jeder kommt mal dran. Die Sehenswürdigkeiten werden beschrieben, Tower, St. Pauls Cathedral, Trafalgar Square und auch Westminster Abbey.
Zu dem Zeitpunkt ist London für mich lediglich eine sehr große Stadt in einem sehr alten Land, ganz weit weg. Außer dem Big Ben und dem Buckingham Palast kenne ich nix davon. Allerdings kann ich mir durchs Lesen einiges erklären. Houses of Parliament, klar, das sind irgendwelche alten Häuser, Piccadilly Circus, toll, die haben einen eigenen Zirkus in der Stadt. Aber bitte, was ist denn ein Westminister? Ah, wahrscheinlich ein Herr mit Namen Abbey, Minister des Westens. Nur, was hat ein Minister in einem Text über Sehenswürdigkeiten von London zu suchen? England ist schon ein seltsames Land, aber echt!

So weit, so gut.

Irgendwann bin ich dann dran mit Lesen. Also auf: »… … Westminister Abbey.«
Die Klasse lacht.
Ich nicht. Bin eher erstaunt. Was war jetzt lustig?
Doch die Klasse beruhigt sich, ehe ich es herausfinden kann. Meine Lehrerin fordert mich auf, weiterzulesen.
Nun denn: »… … … Westminister Abbey.«
Die Klasse brüllt.
Perplex starre ich meine Schulkollegen an. Was haben die?
Die Lehrerin sagt: »Also Maria, nun ist gut. Mach weiter.«
Was ist gut? Verdammt, was? Ich frage lieber nicht, irgendwas Geheimnisvolles geht hier vor sich und ich, verdammt … Ich lese also weiter: »… … … Westminister Abbey.«
Jetzt liegen alle kreischend unter den Tischen. Ich dagegen bin völlig fassungslos und hochnotpeinlich erstarrt. Etwas ist mit mir und ich habe keine Ahnung, was.

Da erbarmt sich die Lehrerin

Vielleicht hat sie auch erst jetzt erfasst, dass ich nicht mit der Absicht, für Heiterkeitsausbrüche zu sorgen, falsch gelesen habe.

Es war Lernen durch Versuch und Irrtum in seiner reinsten Form, der Westminister ist mir nie wieder passiert, geschworen. Aber andere Verleshämmer hab ich schon noch erlebt, allerdings nie mehr so öffentlich wie dieser allererste!
Nachdem ich also schon mal am Kramen bin nach peinlichen Momenten in meinem Leben: Wollt ihr die auch wissen?

Drei Jahre ohne Oskar …

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Hmm, irgendwie aber auch nicht wirklich ohne ihn …

Oskar!

Ich, Runa, bin eigentlich gar kein Hundemensch. Und er war ja nicht mein Hund, ich kenne ihn erst seit 2009, seit Maria in mein Leben getreten ist. Hatte vorher eher weniger Berührungspunkte mit Hunden, und auch danach beschränken die sich auf Marias heutige – die ich auch lieb habe, keine Frage. Trotzdem ist Oskar ganz besonders in meinen Gedanken. Und echt oft, immer noch.

Wenn ich Marias leckeren Erdbeerkuchen mit Quarksahne mache, denke ich daran, dass er einmal einen Dreiviertelblech davon raubte – und dass das einer der wenigen Anlässe war, wo er hinterher wirklich satt war und absolut befriedigt mit wohlgewölbtem Bauch auf der Seite lag und diese Glückseligkeit genoss. (Welche ihm meines Wissens nur noch ein einziges weiteres Mal vergönnt war, nämlich als ihm gelang war, eine neugekaufte und noch nicht verräumte Trockenfutterpackung aufzubeißen und die Zeit, bis mensch das realisierte, effektiv zu nutzten.)
Zu Ostern kommt bei mir und meinen Söhnen regelmäßig das Gespräch darauf, wie Oskar bei der Eiersuche einmal schneller war, ziemlich viele Schoko-Eier mitsamt der Alu-Haut vertilgte und – für Söhne natürlich noch viel lustiger – bunt wieder ausschied. (Ebenso verfuhr er mit einer berühmten Nascherei „ohne Schokolade“, jedes Teil einzeln verpackt – wo nur die Schachtel übrigblieb. In der Mitte des Tisches, wo man sie abgestellt hatte.)
Dann Oskar als Marmorkuchen – blond mit brauner Maserung – immer wenn er einem Wasserloch zu nahe kam, aber besonders auch, als Maria und ich damals Mattis‘ Berghütte in Tirol einen Besuch abstatteten.

 

Ach, und auf Ernberg war er doch auch mit!

Oskar, Maiskolben fressend, in ‚Lucidor‘, dem Schauplatz von Marias allererstem Buch … Schade, dass es kein Foto von ihm dort gibt!

Es ist natürlich kein Zufall, dass die meisten Anekdoten irgendwas mit Essen zu tun haben. 🙂

Wie gesagt, ich bin kein Hundemensch. Aber wenn ich doch mal einen Hund haben sollte, wird es ein blonder Labrador sein. Nicht weil ich Oskar klonen wollte, oh nein, er wird immer seine ureigene Person bleiben. Sondern einfach, weil er für mich der Inbegriff eines Hundes geworden ist.

Deshalb ist es auch so leicht, ihn zu schreiben. Und macht solchen Spaß. Wer es nachgelesen hat oder das noch tun mag: In unserer Krimireihe ‚Kirschblau‘ lebt Oskar und wird unsterblich sein.

Die folgende Szene liegt schon eine Weile auf der hohen Kante. Ob sie der Beginn des dritten Teils sein wird, steht noch in den Sternen. Sicher ist: Oskar leibt und lebt darin und sorgt dafür, dass auch Ella und Thorsten davon angesteckt werden.

Oskar und der Gummibaum

„Was habt du und Freiberg denn gemacht, wenn ihr einen Fall abgeschlossen hattet?“, fragte Ella, während sie auf die Holzbrücke zu gingen.
„Er war ständig im Utgard, das ist eine Kneipe in der Gaetje-Straße. Da bin ich manchmal mit.“
„War er auch mal im Tortenstübchen?“
„Mal.“
„Nicht so oft wie wir?“
„Nein. Dazu fehlte ihm der Hu…“
„Oskar, hierher“, zischte Ella unvermittelt los. Viel zu leise allerdings, die paar Male, wo der Hund gehorcht hatte, hatte sie richtig brüllen müssen. „Oskar, komm zurück!“
Von ihren Wünschen ganz und gar unbehelligt, war der auf die Holzbrücke geschossen und peste auf zwei junge Leute zu, die dort knieten.
War denen was runtergefallen? Erst einmal mussten sie zusehen, dass sie nicht umkippten, denn Oskar stürzte sich wuffend und wedelnd mitten auf sie.
„Oskar, lass die Leute in Ruhe!“ Ein bisschen lauter war Ella geworden.
Doch der Herr Hund war viel zu beschäftigt, um zu hören, geschweige denn, aufzuhören mit seiner Fremden-Abknutsch-Mission.
Mit diesen Fremden stimmte etwas nicht. Jeder vernünftige Mensch wäre längst aufgesprungen und hätte diesen penetranten Hund so in seine Schranken gewiesen. Warum blieben diese beiden da hocken und ließen Oskars Attacke über sich ergehen?
„Können wir helfen?“, rief Thorsten scharf, während er schon auf die Brücke rannte. Irgendwas war da eindeutig nicht in Ordnung. „Ist jemand verletzt? OSKAR, HIER.“ Ja, warum sollte er sich nicht auch mal als Befehlshaber versuchen? „HIERHER, SOFORT.“
Ha, das war gut gewesen! Der Hund hatte auf der Stelle innegehalten und sich zu ihm umgedreht. Eher erstaunt als gehorsam, aber was sollte es? „Komm her!“, setzte Thorsten nach und klopfte sich auf die Oberschenkel, wie er es andere Hundehalter hatte tun sehen.
„Na, komm, Dicker, komm her!“ Ellas Stimme war wieder in ihren freundlich zwitschernden Höhen angelangt. Da würde ihr Dicker ihr was husten.
„Ist schon gut, wir sind fertig.“ Ah, die Oskar-Opfer waren doch in der Lage gewesen, auf die Beine zu kommen. Es war ein junges Pärchen. Das jetzt Hand in Hand und mit dem üblichen Rosa-Wolken-Grinsen vor ihnen stand. Die Frau schwenkte triumphierend die Hand. „Hier, der Schlüssel.“
„Äh, der gehört uns nicht“, wehrte Thorsten verdattert ab.
Die Frau und Ella lachten.
Irritiert fuhr er zu ihr herum. Was hatte sie mit den beiden zu schaffen?
„Der Schlüssel gehört zu ihrem Schloss.“ Grinsend wies Ella auf den Boden.
Hä? Da war doch aber kein …
Sie stupste ihn an. „Die Schlösser. Siehst du nicht?“
„Die …“, Schlösser, ja klar. Das ganze Brückengeländer entlang. Diese neue Mode, sich als Romeo und Julia zu verewigen, indem man ein Vorhängeschloss kaufte, selbiges an ein Brückengeländer anschloss und … Angewidert verzog Thorsten den Mund. „Müsst ihr den Schlüssel nicht ins Wasser werfen?“ Damit er dann zusammen mit den tausend anderen im Ostseeschlick vor sich hin rosten kann, während ihr zwei längst schon mit Tristan und Isolde zusammen seid?
Dass seine Ironie ankommen würde, hatte er natürlich nicht erwartet. „Wollen wir?“ Mit noch verklärterer Miene zupfte Julia an Romeos Jacke, als hätte Thorsten sie erst auf die Idee gebracht.
Der junge Mann hörte nicht auf, Oskar zu tätscheln, als hätte der ihnen einen großen Dienst erwiesen. Oder wollte er ablenken?
Komm, Junge, noch hast du Zeit, wieder aufzuschließen!
Julias freie Hand langte nach Romeos, führte sie zu ihrer anderen, zum Schlüssel.
Naaa? Tust du’s?
Natürlich nicht. Stattdessen ließ er sich von Julia zu einer Runde Näseln einladen. Und zugleich schlossen sich ihre beide Hände einträchtig um den Schlüssel. Keine Chance mehr, sich da rauszuwinden.
„Na los“, rief Ella, klatschte lachend in die Hände und rammte Thorsten auffordernd den Ellenbogen in die Seite.
Klatschen? Die beiden anfeuern, ihr Teil zur Verschmutzung der Weltmeere beizutragen – für nix und wieder nix? „Ist das euer erstes Schloss?“, fragte er finster.
Verständnislosigkeit in beiden Gesichtern. „Klar. Wir haben heute unseren ersten Jahrestag.“
„Herzlichen Glückwunsch“, juchzte Ella.
„Solltet ihr dann nicht besser noch ein paar Jahre abwarten?“
„Thorsten.“ Dieser Rippenstoß war härter als der erste.
„Wir sind uns sicher“, verkündete Julia voller Inbrunst.
„Ja“, beeilte Romeo, es ihr nachzutun. Zog Julia näher an die Brüstung – und hob ihre Schlüsselhand darüber. „Bereit?“
„Ja!“
Thorsten verzog das Gesicht, weil auch er unwillkürlich die Luft angehalten hatte. Dabei war der Plumps im Schwappen der Wellen nicht mal zu hören gewesen.
„Das ist so romantisch“, schwärmte Ella neben ihm. „Danke, dass wir bei eurem großen Augenblick dabei sein durften.“
„Euer Hund bringt Glück.“ Nun kniete Julia sich zu Oskar.
Romeo zwinkerte Thorsten zu. „Na, dann mal los.“
Was? Erst im zweiten Moment realisierte der, dass er keineswegs gemeint hatte, ihren Weg fortzusetzen.
„Oh, wir sind kein Paar“, meinte Ella, die anderen aufklären zu müssen.
„Nicht? Das hätte ich aber jetzt gedacht.“ Julia richtete sich auf und grapschte nach Romeo, als müsste sie sich gegen die Ungläubigen schützen.
„Was nicht ist, kann ja noch werden.“ Romeo hob seine Hand und Julias mit.
„Irgendwann will ich jedenfalls auch so ein Schloss“, verkündete Ella und tätschelte Oskar. Sollte sie das doch mit dem machen.
„Wir müssen jetzt.“ Thorsten winkte und setzte sich in Bewegung – und ärgerte sich, dass er trotz allem automatisch nach den Schlössern schielte, als er auf der betreffenden Höhe war.
„Das lila“, flüsterte Ella.
„Das wirst du jetzt jedes Mal anstarren, wenn du hier vorbeikommst, habe ich recht?“, brummte Thorsten genervt.
„Du auch“, erwiderte Ella vergnügt.
„So ein Quatsch.“
Sie lachte. „Denk nicht an einen Gummibaum.“
„Gummibaum? So ein Quatsch.“
„Wart’s nur ab.“ Zufrieden vor sich hin grinsend, wanderte Ella neben ihm her dem Borbyer Ufer entgegen.

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Langsam wirds ernst!

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Zur Zeit arbeiten Runa und ich getrennt, jede an einer eigenen Geschichte. Ehe wir kommendes Jahr in die nächste Krimi-Runde einsteigen.

Hier schon mal das tolle Cover made by Katrin Skotz und der Klappentext made by me zu:

Golden – Elisa und die dunklen Pforten

Aquilien, eine Parallelwelt zur unsrigen, wird bedroht von gefährlichen Wesen aus der Dunkelwelt. Nur ein Mädchen aus unserer Welt kann das Land jetzt noch retten.
So steht es zumindest in der uralten Prophezeiung, die in der geheimen Kammer der Burg gefunden wurde.
Aber kann einem so jungen Ding gelingen, was Generationen von klugen Männern und Frauen nicht geschafft haben?

Dominiak, der Vorsitzende des Hohen Rates von Aquilien, hat sein ganzes Leben der Prophezeiung und ihrer Erfüllung gewidmet. Er würde alles tun, um die in ihr enthaltenen Rätsel zu lösen.
Als ihm tatsächlich gelingt, das Mädchen Elisa ausfindig zu machen und zu ihm bringen zu lassen, wähnt er sich einen großen Schritt weiter.

Doch da gibt es noch Ariana, Elisas junge Tante. Ist sie wirklich nur versehentlich mit nach Aquilien geholt worden, oder hat ihre Anwesenheit dort auch eine Bewandtnis? Und welche Rolle spielt Gunnar, Dominiaks unheimlicher Knecht?

Die Zeit drängt, Morcusnacht, die unheimlichste aller Nächte, naht. Dann schwingen die Pforten zwischen den Welten ganz weit auf. Wenn Elisa sie nicht rechtzeitig verschließen kann, werden die Dunkelwesen nicht nur Aquilien verschlingen …

 

Wer jetzt denkt: Diese Beschreibung habe ich doch schon mal irgendwo gelesen – der hat völlig recht. ‚Golden – Elisa und die dunklen Pforten‘ ist mein Erstling, der viele Jahre in der Schublade geschlummert hat, um jetzt endlich ausgehfein gemacht und veröffentlicht zu werden.

Hier auf der Homepage ist er unter -> Individuelle Romane -> Maria -> Das Goldene Haus – Ruf der Prophezeiung  zu finden.

Dort gibt es auch (noch) das erste Kapitel der unbearbeiteten Erstfassung zu lesen. Es hat sich nach der Überarbeitung sehr stark verändert. Wer mag, kann später vergleichen. Aber seid rasch, demnächst wird es verschwinden.

 

Urlaub auf Kreta

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Dieser Beitrag hat gar nichts mit dem Schreiben zu tun, nichts mit Büchern, nichts mit Geschichten.

Äh – doch. Ich erzähle euch jetzt eine Geschichte. Und zwar die meines Urlaubs auf Kreta.

Sie wird länger, setzt euch also bequem hin.

Urlaubsgeschichten von Katzen …

Kreta, Sommer, Sonne, faulenzen, baden, Insel erforschen. Dreizehn Tage Urlaub. So der Plan.

Hat auch geklappt, deshalb gibt’s darüber auch gar nix zu erzählen. Es ist die andere Seite, die mich beschäftigt, bis zur Stunde, nachhaltig.

Der erste Eindruck: Unser Weg zum Strand. Ca. 1 km über Fußwege und Kleinststraßen, vorbei an protzig-tollen Hotelanlagen, kleineren Feriensiedlungen, Privathäusern. Und an einem Mülltonnenplatz. Überdacht, schäbig, stinkend. Voller Katzen. Scheu, neugierig, dünn und offensichtlich noch sehr jung. Ein schwarzer Kater, als einziger, war zutraulich. Rappeldürr, ganz offensichtlich krank. Und eben nach Hilfe schreiend zutraulich. Der Not gehorchend, in der Hoffnung, dass sich jemand erbarmen würde.

Hilflosigkeit unsererseits. Kein Auto, keine Ahnung, nicht mal Wissen um einen Supermarkt. Wegen Katzenfutter. Was tun? Hier waren nur kleine Läden. Die wir alle abklapperten und schließlich Glück hatten. Dosenfutter.

Weiter: Kein Napf. Also Futter auf den Boden. Die Katzen kamen in Scharen. Auch der Dürre.

Das war nur ein Tropfen, soviel war klar. Futter war wohl nur ein kleineres Problem für ihn, schließlich lebten die Katzen von den Abfällen. Mehr schlecht als recht, aber immerhin.

Tagelang Futter, immer wenn wir vorbei kamen. Wasser in einen alten Aschenbecher, Futter auf einen Plastikteller, der plötzlich neben den Mülltonnen lag.

… und Hunden

Gleichzeitig begegneten uns überall Hunde. Auf der Straße, auf den Wegen, in der Hotelanlage. Ruhige Hunde, freundliche Hunde, zurückhaltende Hunde. Niemals aufdringlich. Wir waren unsicher. Wohin gehören die? Keine Halsbänder. Sind das Strandhunde?

Dann mieteten wir einen Wagen, um die Insel zu erforschen.

Erster Eindruck – nicht die Schönheit der Insel, die ist da, unzweifelhaft – sondern Tiernot.

Hunde, die an der Schnellstraße entlangliefen, Katzen, Ziegen sogar. Wobei ich bei letzterer annehme, dass sie tatsächlich ausgebüchst war.

Weiß jemand, wie auf Kreta Auto gefahren wird? Unkonventionell, um es mit einem Wort zu sagen. Auf den Schnellstraßen gibt es ein oder zwei Spuren, daneben noch eine Standspur, halb so breit wie eine normale Straße. Dort fahren die langsameren Wägen. Aber dort liegen auch die Tierleichen. Zwischen ziemlich viel Müll. Manche, nein viele bis zur Unkenntlichkeit zerfahren, zerquetscht. Nur noch grau-flache Hubbel. Die meisten ziemlich klein.

Tragische Erlebnisse

Dann – das erste Katzenkind am Straßenrand, vielleicht sechs bis acht Wochen alt. Es hoppelte da herum.

Ich hatte nur einen Blick, dann waren wir vorüber. „Halt an, da ist ein Katzenbaby!“

Keine Möglichkeit anzuhalten. Es ging einfach nicht, überall Autos und eine Standspur, die keine ist!!! Mir ist jetzt noch schlecht, wenn ich daran denke.

Am nächsten Tag wieder: Katzen, tot und lebendig, ebenso Hunde, Müll, ein Katzenkind, verwirrt auf dem Po sitzend. Und wieder konnten wir nichts anderes tun, als daran vorbeizufahren.

Geschockt starrte ich nur noch auf den Straßenrand. Weil ich einen schrecklichen Verdacht hatte. Die vielen kleinen, undefinierbaren Häufchen gewesenen Lebens hier, war das eine Methode, überzählige Katzenkinder zu entsorgen?

Ich begann, alle Kreter mit Argwohn zu beobachten.

Beweise habe ich nicht gefunden, hoffe nur inständig, dass ich mir nur was zurechtgesponnen habe.

Danach sah ich keine Landschaft mehr, nur noch Straßenränder. Wie bekloppt.

Schließlich fuhren wir ins Gouves Animal Shelter, um uns als Flugpaten anzumelden. Es ist ein privates Tierheim, das einem Kreter gehört. Manolis, ein sehr netter älterer Mann, rettet verstoßene oder schlicht weggeworfene Tiere. Nicht wenige Welpen sind aus dem Müll gezogen worden, sind verletzt oder krank. Manolis und die freiwilligen Helfer aus aller Herren Länder sorgen sich um sie, umsorgen sie, pflegen, behandeln, bringen zum Tierarzt, lassen impfen und kastrieren.

Wird ein neuer Hund gebracht (wir haben es miterlebt), wird dieser umgehend entwurmt, entfloht und separiert, so gut es geht. Die schlimmste Geisel des Shelters sind nämlich ansteckende Krankheiten.

Hilflosigkeit

Ganz verhindern, dass eine Krankheit schlicht übersehen wird, kann aber auch die beste Vorsichtsmaßnahme nicht. Und so haben wir mitbekommen, dass auch gerettete Hunde im Shelter sterben. Es war ein noch ziemlich kleiner Welpe, der plötzlich tot dalag.

Diese unglücklichen Wesen werden im Shelter beerdigt, es gibt einen Extra-Platz dafür.

Birgit lebt mit ihrem Mann bei Heraklion und hilft im Shelter. Ihr Haus und den Garten dazu hat sie in eine Pflegestelle umgewandelt, wo sie zu ihren eigenen 10 Hunden noch 25 Welpen aufzieht, bis sie mit vier Monaten dann vermittelt werden können. Sie war im Shelter unsere Ansprechpartnerin, sie hat alle Telefonate erledigt, allen Schriftkram, der für eine Hundeausreise notwendig wird. Und mit ihr haben wir uns am 1. Oktober in aller Herrgottsfrüh (genauer: um kurz nach 5) am Flughafen getroffen, wo sie uns Lord und Ilius übergeben hat, zwei supersüße Welpen. Damit die mit uns nach München fliegen. In ein neues Leben, ein endgültiges Zuhause.

Doch mit Birgit hatten wir noch mehr Kontakt. Aus Katzengründen.

Der Leihwagen war zurückgegeben, wir wanderten jeden Tag wieder zum Strand, vorbei an der Katzenkolonie bei den Müllcontainern. Der schwarze Kater war weg. Ob er noch Hilfe gefunden hat? Ich hoffe es sehr.

Durch das Auto waren wir inzwischen in einem Supermarkt einkaufen gewesen, verfügten über ausreichend Futter, das wir jeden Tag vorbei brachten.

Freitag, der Tag vor unserer Abreise, ich wollte ein letztes Mal an den Strand, lag am Containerplatz eine schwarz-weiße Katze. Wie alle Katzen dort war sie noch nicht ganz ausgewachsen. Sie zuckte am ganzen Körper, weit aufgerissene Augen, schäumender Speichel vorm Mäulchen.

Oh Gott! Was tun, was tun, was tun? Das Krampfen hörte gar nicht auf.

Schließlich lief ich zum Strand, wo Mann, Kinder und Handy bereits waren. Wir riefen Birgit sofort an.

„Bringt sie ins Shelter“, sagte sie.

Wir haben die Katze in ein Strandtuch gewickelt, meine Tochter ist mit ihr über die wilden Grundstücke bis zur Straße gelaufen, ich bin zur Hotelrezeption, hab ein Taxi bestellt, mein Mann hat Geld im Zimmer geholt. Es ging schnell.

Aber nicht schnell genug. Als wir an der Straße wieder aufeinander trafen, war die Katze gerade gestorben. Ob es nun Epilepsie oder ein Virus war – Manolis hätte sie zu retten versucht, hat Birgit uns versichert. Er wäre mit ihr zum Tierarzt und hätte sie gepäppelt.

„Wie stehst du das hier durch?“, fragte ich sie.

Sie sah mich überrascht an. „Gut.“

Der heiße Stein und der Tropfen

Vielleicht gewöhnt man sich daran, dass man nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Dass man ’nein‘ sagen muss, Entscheidungen treffen, wer gerettet wird und wer nicht. Alle geht nicht, es sind viel zu viele, die händeringend auf Hilfe warten.

Als Tourist ist man völlig aufgeschmissen, wenn man mit all dem Elend konfrontiert wird. Ich wollte nur noch weg.

Nie mehr Kreta

„Kreta war schön“, sagte mein Mann gestern Abend. „Eines Tages fahren wir wieder dorthin, ja?“
Ich hab zwar genickt, aber ich will nicht. Kreta verbinde ich im Moment nur mit Elend und Ohnmacht.
Vielleicht ändert sich das wieder. Dann erzähl ich euch von den schönen Windmühlen dort, von den kleinen Häuschen, bzw. Kirchen, die überall am Straßenrand stehen, von den Hippie-Höhlen in Matala und von der Leprainsel Spinosa.

Jetzt aber nicht.

Wer hier Fotos vermisst – ich habe keine. Auch nicht vom Shelter. Es erschien mir einfach nicht angemessen. Das Beitragsbild zeigt Lord, einen der jungen Hunde, die wir als Flugpaten nach München begleiten durften.

Allerdings habe ich im Text zur Facebook-Seite des Shelters verlinkt. Dort kann man einen Eindruck gewinnen. Auf Youtube gibt es Videos vom Shelter und seinen Hunden.

Von Sprotten und Sauerkraut

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Sprotte Stine

Schon mal Platt geschnackt?

Ich, meines Zeichens eine Sauerkraut aus dem Voralpenland, hatte schon ein paar Mal die Ehre. Zuerst war ich’s sogar noch selbst! Hab treu und brav bei der Lesung von Mord am Noor die wenigen Worte Platt vorgelesen, die Runa hineingeschrieben hatte.

Was allenthalben für große Erheiterung gesorgt hat.

Gut, seitdem weiß ich, dass Platt nicht meine Sprache ist.

Aber könnt ihr euch vorstellen, wie es meinen fränkisch/oberbayrischen Ohren gegangen ist, als ich vergangenen Freitag in Eckernförde eine Stadtführung auf Platt mitgemacht habe?

Also, ich finde, Dänisch klingt irgendwie ähnlich. Weil man doch zumindest den Sinn versteht, manchmal schiebt sich sogar ein ganz normales Wort dazwischen – und dann plötzlich kommt nur noch ‚Bahnhof‘ an.

Die Sprachmelodie ist interessant. Breit, ziemlich ‚e‘-lastig, und zu meiner Freude nicht so furchtbar schnell. Also, irgendwie kam ich durch.

Museum 8

 Führung auf Platt ist nicht gleich platte Führung!

Aber vielleicht lag das auch daran, dass Stine und Fiete unsere Stadtführer waren – und zumindest Stine wusste, dass sich mit mir eine sogenannte ‚Quitsches‘ unter den Teilnehmern verbarg!

Stine und Fiete sind eine echte Eckernförder Institution! In historische Fischergewänder gekleidet, ausgerüstet mit einem Holzwagen, wie sie früher zum Fischtransport an Land verwendet worden waren (sogar mit Sprotten beladen, aber dazu nachher mehr!), begann die Führung dort, wo die Fischer sich auch heute noch in aller Herrgottsfrüh tummeln: Mitten am Hafen. An der Holzbrücke, um genauer zu sein.

Das ist eine Zugbrücke – und Stines Vater, ein Werftarbeiter, hat die tatsächlich mal kaputt geschippert. Damals, in den frühen Fünfzigerjahren. Seitdem sie repariert wurde (und dabei auch modernisiert), muss sie nicht mehr per Hand hochgekurbelt werden!

Wir kamen prompt in den Genuss, den Motor zu bewundern, denn ein Schiff aus dem Binnenhafen wollte auslaufen. Die Fotos dazu könnt ihr im letzten Blogbeitrag bewundern.

Fischergasse

Vorbei ging die Führung an wundervollen, uralten Fischerhäusern, klein, geduckt, eng. Allerdings für das damals auch schon vorhandene Bedürfnis nach Information ideal mit vorliegenden Fenstern ausgestattet. Für den Rundumblick. Natürlich samt dazugehörenden hohen Fensterbänken zum Bequem-drauf-abstützen. Die ebenfalls obligatorische Bank vor der Haustür war halt nur bei gutem Wetter – und damit selten – nutzbar.

Die Räucherei – der neue Tatort

Unser Ziel war eine historische Fischräucherei, die heute noch zeigt, wovon noch vor wenigen Jahrzehnten Eckernförde geprägt war. Ehe der Tourismus begann und der allgegenwärtige Fischgeruch verschwand.

Sprotte 4

Natürlich kam ich in den Genuss, eine Sprotte zu kosten. Die den traditionellen Weg vom Hafen zur Räucherei ganz brav mitgemacht hatten.

Sprotte 5

Ich danke Fiete an dieser Stelle, so gnädig gewesen zu sein, mir nicht eine ganze Sprotte samt Haut, sondern nur ein sorgfältig filetiertes Stück verabreicht zu haben. Und auch dafür, dass der Küstennebel – mühevoll bei Nacht eingefangen, um den Eckernförder Gästen freie Sicht auf die Bucht zu ermöglichen – verschlossen in meine Heimat mitreisen konnte.

Sprotte 1

Danach sahen wir uns in der Räucherei um – und waren sofort wieder im Krimi angekommen.

Die Stadtführung diente nämlich vor allem Recherchezwecken. Wir brauchen doch für den dritten Teil einen neuen Tatort. Und weil Stine so spannend von der Räucherei erzählt hatte, wollten wir doch mal gucken … Aber seht selbst. Eignet sie sich?

Außerdem mussten wir zukünftige Tatverdächtige auf ihre Eignung abklopfen: Stine, Fiete, oder Piratin Maren? Was meint ihr?

Piratin Louisa

Unverhofft kommt – manchmal!

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Strand August 16

Statt Lesung – Führung

Am Sonntag kam die Nachricht. Unverhofft, total überraschend und nicht erwünscht: Die Lesung am Mittwoch entfällt. Mangels ausreichender Voranmeldungen. Die Öffnung des Cafes lohnt halt erst ab einer ansehnlichen Personenschar.

Wer unsere Blogbeiträge verfolgt, weiß an dieser Stelle, dass wir dabei nicht ausschließlich enttäuscht waren. Dennoch … Schnell taten wir, was wir immer tun, wenn was schiefgeht: Wir gingen in uns. Was haben wir falsch gemacht, liegt es an uns, warum will uns niemand?

Wobei das an meinen Reisplänen nichts mehr änderte. Immerhin waren Flug und Leihwagen gebucht und bezahlt, ich hatte Urlaub genommen … Es hängt doch ein ganzer Rattenschwanz an so einer Reise von ganz unten in Deutschland nach ganz oben.

Glücklicherweise besuchen Runa und ich uns regelmäßig und wechselseitig. Ich war eh ‚dran‘. Fazit: Wirds halt ein ganz entspannter Besuch.

Die Aufarbeitung der Absage konnte uns das dennoch nicht ersparen. Zuerst nur wir beide: Es liegt an uns. Es liegt immer an uns. Den Leuten hat Teil 1 nicht gefallen, warum sollten sie also zur Lesung für Teil 2 kommen?

 

Eckerförde Stadtführung 3Fischergasse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Quatsch“, meinte Sörine, als wir schließlich bei ihr im Tortenstübchen saßen. „Es liegt daran, dass zurzeit in Eckernförde der Teufel los ist: Viel mehr Touristen als sonst, eine Veranstaltung jagt die andere. Vergangenes Wochenende war Sprotten-Matinee, dieses Wochenende kommen die Piratentage. Dazu meist Strandwetter. Das merken wir hier im Café auch.“

Aha. Wir waren sofort ein bisschen getröstet. Und haben bei Kaffee und Torte (ratet, was ich hatte!) Kriegsrat gehalten: „Im Herbst greifen wir es an. Oktober ist ne gute Zeit.“ Sörine, dein Wort in Gottes Ohr! Und in das unserer Leser!!!

Neuer Termin für die Lesung

Fazit: Neuer Termin für unsere Tortenstübchen-Lesung ist Mittwoch, der 5. Oktober. Um 15 Uhr geht die Lesung los. Eintritt: 10 Euro für ein Stück Torte, Kaffee bis zum Umfallen und die Lesung aus: ‚Strand der nackten Männer‘.

Und weil wir nun viel Zeit hatten, uns in Eckernförde umzusehen, haben wir dann gleich an einer Stadtführung teilgenommen. Ist es nicht atemberaubend hübsch hier? Seht euch diese Farben an! Eckernförde ist klasse!

Stadtführung Eckernförde

 

Hund oder zuviel Hund?

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Oskar und Daisy

Die Welt ist zweigeteilt. In Hundeliebhaber und Hundenichtsogernmöger. Naja, es gibt auch noch ausgesprochene Hundehasser, aber die werden wir in unserem Krimi wohl eher nicht antreffen. Weil es darin eben auch um Hunde geht. Um Oskar vor allem. Der mit Schnuffelnase und Schalk im Nacken ermittelt, was das Zeug hält. Oder eben nicht.
Im ›Strand der nackten Männer‹ bekommt Oskar weibliche Verstärkung in Form einer winzigen Hundedame namens Daisy. Tja, und damit begannen unsere Probleme. Hundenichtsogernemöger, die im ersten Teil Oskar irgendwie ertragen haben, stießen sich nun daran, dass der Krimi an bestimmten Stellen ziemlich hundelastig geraten ist. Nämlich da, wo Daisy auftaucht und langsam in das Rudel Thorsten-Ella-Oskar eingegliedert werden muss. Wer Hunde kennt, weiß, dass das schon mit ein wenig Turbulenzen verbunden ist. Wie auch bei uns.
Speziell unseren Hundenichtsogernemöger-Probelesern war das aber eine Spur zu viel.
Faszinierend, wenn direkt nacheinander gleiche Rückmeldungen kommen. »Diese Kapitel sind zu hundelastig, ich hab sie überblättert, weil sie mich genervt haben.«
Uuups.
Also, wir wollen auch Hundenichtsogernemöger als Leser haben, aber echt. Deshalb gingen wir in uns und dann ans Manuskript und prüften nochmal genau, wann und wo nötiger und wann und wo verzichtbarer Hund eingebaut war.
Im Folgenden findet ihr also einen dieser verzichtbaren und deswegen gestrichenen Abschnitte – der ursprüngliche Beginn des Kapitels: ‚Die Katze im Busch‘.
Viel Spaß mit Oskar und Daisy!

Daisy
Titelbild und dieses Foto: choco@Nerima

Wer war auf die Idee gekommen, sich um acht Uhr an einem Sonntagmorgen zu treffen? Ella drosch auf den penetrant klingelnden Wecker ein, gähnte noch mal ausgiebig und blinzelte dann nach dem Neuzugang.
Der nicht mehr bei Oskar lag. Schlagartig war sie aus dem Bett und hellwach. »Daisy?« Oh Gott, wo war der Hund? »Daisy!«
Oskar reckte den Kopf.
»Hast du die Kleine gesehen?«
Er wedelte mit dem Schwanz, gähnte. Nein, er hatte wohl zu fest geschlafen.
Ella spurtete in den Flur – nichts. Küche, Wohnraum, Bad – nichts, nichts, nichts. »Daisy?« Wohin konnte so ein kleiner Hund denn verschwinden? Hmm, schlicht und ergreifend an mehr Orte, als Oskar mit seinen Körperausmaßen zur Verfügung standen. Wahrscheinlich hatte sie sich wirklich nur irgendwo verkrochen. Die Frage war nur, wo?
Ella sah unter dem Sofa nach, hinter allen Türen, im Bücherregal, sogar im Kühlschrank und im Kleiderschrank, wo die kleine Hündin gar nicht sein konnte, weil sie den seit gestern Morgen nicht mehr geöffnet hatte. »Daisy?«
Panik wallte in ihr auf, als sie das gekippte Fenster in Augenschein nahm. Konnte ein Minihund auf die Fensterbank klettern? Und noch wichtiger, konnte er sich aus einem nach oben größer werdenden Fensterspalt schieben? Sie sah sich schon mit zitternden Fingern Thorstens Telefonnummer wählen, um ihm mitzuteilen, dass seine geliebte Daisy irgendwie entkommen war.
Oskars begeistertes Wuffen ließ sie herumfahren. Sodass sie gerade noch den Satz zu sehen bekam, mit dem er in ihr Bett sprang. »Runter da!«, herrschte sie ihn an. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Oskar war ein verwöhntes Früchtchen, er schlief im Hundekorb neben ihrem Bett. Aber doch nicht darin!
Nein, auch wenn er es gerne tun würde, Oskar, der sich sofort fügte, war völlig unschuldig. Im Bett lag nämlich, ziemlich gut eingekuschelt in Ellas Decke, die Hundeverführung in Person. Wer konnte denn auch einer mittlerweile ziemlich plattgedrückten roten Haarschleife samt Mädchenklickspange widerstehen? Oskar offensichtlich nicht. Mit einem Wonnelaut schob er seine Nase vom Bettrand aus dem Winzhubbel unter der Decke entgegen und stupste damit an eine kleine schwarze, die sich ihm neugierig entgegenreckte.
»Du warst die ganze Nacht bei mir?«, musste Ella dämlich das feststellen, was gar nicht zu übersehen war. Hundeprinzessinnen schliefen wohl nicht in profanen Hundekörben, sondern ruhten in edlen Laken und Federbetten. »Das war aber nur Baumwolle über einfacher Wildseide«, klärte Ella die Prinzessin, die ganz verschlafen aus der Wäsche guckte, in ihrem strengsten Ton über den Status quo auf. »Darüber hinaus sind wir hier ein bescheidenes Haus, in dem Hunde Bettschlafverbot haben.« Sie nahm die Kleine, hob sie heraus und stellte sie am Boden auf die Beine.
Dabei war sie ganz entzückt. Von der Kindlichkeit der kleinen Hündin, von deren verschlafenem Charme. »Wir werden uns jetzt ein wenig frischmachen, und dann gehts raus, Gassi.« Wobei sich dieses ›Frischmachen‹ alleine auf Ella bezog. Als sie nämlich aus dem Bad zurückkam, lagen die beiden Hunde einträchtig nebeneinander – auf ihrer Bettdecke.
»Geht ihr da wohl runter«, schimpfte sie los. Und erreichte bei Oskar tatsächlich so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Jedenfalls hüpfte er eilig von dannen. Im Gegensatz zur Prinzessin, die sich keiner Schuld bewusst zu sein schien.
Doch schließlich war es soweit, Oskar bekam sein Halsband übergestülpt, Daisy die Päckchenschleife samt Geschenkband. »Dann mal auf.« Am Kurstrand würden sie auf Thorsten treffen, der dann seine morgendliche Joggingrunde bereits hinter sich haben würde.

Sofort hinter der Haustür erwies sich diesmal noch schneller als gestern, dass ein Geschenkband um einen Hundehals, und sei er noch so schmal und zierlich, eine denkbar schlechte Notlösung war. Daisy wollte, wie alle Hunde, am frühen Morgen erst mal gemütlich eine Runde Zeitung lesen, sprich, schnuffeln, was es so an Neuigkeiten in der Nasenwelt gab. Wie Oskar zog sie hierhin und dorthin, hielt an der Ecke – und schnüffelte, was das Zeug hielt. Weder war Ella auf die Kleine, noch die beiden Hunde aufeinander eingespielt. Und so dauerte es heute nur ein paar Schritte, bis die beiden Leinen sich wiederum heillos verheddert hatten. Jeden Satz, den Oskar dann machte, musste Daisy notgedrungen mitmachen. Und das Schlimmste daran: Ella bekam das Band, das die Kleine demnächst strangulieren würde, nicht vom Ersatzhalsband ab. Notgedrungen musste sie also Oskar ableinen, ehe sie sich ans Entwirren machen konnte. Dass der sich sofort entfernte, um am Vermieterhaus zu schnuffeln, bemerkte sie nur am Rande.
Die Folge jedoch war leider nicht so leicht zu ignorieren. Als wäre Oskars Annäherung mit lautem Krach verbunden gewesen, klappte das Fenster direkt darüber auf, und eine quengelnde Stimme wehte zu Ella herunter. »Also, Frau Kirsch, das geht so ja nun gar nicht.«
Es ist Sonntag, dachte sie, die sich keines Unrechts bewusst war, und fummelte die Leinen auseinander, es ist früh am Morgen. Brauchen nicht auch Vermieter ihren Schönheitsschlaf?
Dieser Biesig offensichtlich nicht. Der prangte in all seiner bissigen Pracht im Fensterrahmen über Oskar und sah missbilligend auf das Richtung Gulli fließende Rinnsal, das der Hund gerade produzierte.
»Oh, tut mir leid.« Das war gelogen, aber wohl notwendig. »Ich geh gleich Wasser holen und spüle das weg.« Zuvor allerdings würde sie die beiden Hunde ins Auto stopfen. Damit die keine neue Panne produzieren konnten, ehe die alte beseitigt war.
Nun erwies sich ihre Faulheit gestern Abend als Segen: Da hatte sie, statt um zwei Ecken zum Parkplatz zu fahren, den Wagen einfach am Straßenrand stehen gelassen. Rasch fischte sie den Wagenschlüssel aus der Tasche, packte Oskar am Halsband und zerrte die sich mit erstaunlicher Vehemenz sperrende Daisy mit zum Auto. Zuerst hob sie die Kleine ins Heck. »Oskar, mach du hopp.«
»Ihnen ist aber schon bewusst, dass Sie da nicht parken dürfen?«
War ja klar gewesen! Ella tat so, als hätte sie nichts gehört, holte die Gießkanne, befüllte sie, beseitigte die Bescherung und räumte danach ganz brav die Kanne wieder auf. Und das alles unter dem missbilligenden Blick ihres Vermieters.
»Im Mietvertrag steht außerdem nichts von zwei Hunden.«
»Der zweite Hund ist nur zu Besuch und darüber hinaus weiblich«, konnte Ella sich eine Anspielung auf das Besuchsverbot für Männer nicht verkneifen, das ihr Biesig beim Einzug erteilt hatte.
Woraufhin der tatsächlich das Fenster zuknallte und hinter dem Vorhang verschwand. Oha, hatte das ihr Widerspruch bewirkt? Das sollte sie sich vielleicht merken! Dennoch schwitzte sie, als sie endlich im Wagen saß.

Oskar schlafend

Lesungsfieber

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Uns fehlt was – leider

Wir sind es nicht. Und werden es wohl nie werden. Nämlich das, was man gemeinhin als Rampensau bezeichnet. Gerne auf einer Bühne stehen, gerne etwas vor Publikum sagen, vortragen oder – oh Gott – gar singen?

Lieber fünf Jahre nichts zu Weihnachten. Ehrlich!

Pech für uns, dass wir Bücher schreiben.

Früher, als ich gerade anfing mit meinem ersten Roman, war ich der festen Überzeugung, dass ein Autorenleben damit auskommt, am Schreibtisch hinter dem Computer zu klemmen und die Welt ansonsten Welt sein zu lassen.

Es mag eine Zeit gegeben haben, in der Schauspieler und Sänger auf die Bühne geklettert sind, um sich vor Publikum zu beweisen, Autoren jedoch weitab jeder Bühne ihre Werke erschaffen haben.

Und die Welt war’s zufrieden.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Schauspieler schreiben – und Schreiberlinge geben auf Bühnen ihr Bestes.

Himmel, verdrehte Welt!

Die erste Lesung war ein Albtraum

Unsere allererste Lesung machte mich damals zum nervlichen Wrack. Das ging bis zum Beruhigungsmittel. Ich glaube, diese erste Lesung überlebte ich nur knapp, und nichts, aber auch gar nichts war in mir, das nach Wiederholung lechzte.

Natürlich blieb es nicht dabei und die zweite Lesung war zwar noch lange kein Spaziergang, jedoch, was den Nervenaufwand betraf, nur noch ein müder Abklatsch …

Vergangenen Mittwoch war nun unsere fünfte Lesung. Wir waren ruhig, gelassen, nicht zittrig.

Schlecht geschlafen hatten wir trotzdem, schließlich sind wir keine Maschinen.

Aber darüber hinaus – vertrauen wir mittlerweile darauf, dass wir uns dort bewegen, wo wir uns allerbestens auskennen: In einer unserer Geschichten nämlich.

Also mal ehrlich: Welcher Schauspieler kann sich seiner Rolle sooooo sicher sein, welcher Sänger seines Liedes wie ein Autor, der das vorträgt, was er selbst geschaffen hat?

Weder Runa noch ich werden je eine Leidenschaft dafür entwickeln, uns vor einem Publikum in Szene zu setzen, wir sind einfach keine Front-Menschen. Aber uns hinzustellen und mit wohlwollenden, interessierten, gespannten Menschen über das Thema plaudern, das uns am allernächsten ist, kriegen wir schon hin.

Ein dickes Dankeschön also unseren Gastgebern und unserem mitgehenden Publikum.

Und an die Welt da draußen: Her mit den Lesungen, wir machen das!

Krimi-Frühstück 6
‚Unsere‘ Ulli Hobbe. Die es wirklich gibt, aber Beate Petersen heißt.

Frühstücks-Mord

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Mords-Frühstück

– Nee, ne? Was hat denn ein Mord mit Frühstück zu tun?

– Najaaaa, wenn es dazu Fliegenpilze gibt, Knollenblätterpilz-Salat, Creme mit Orangenöl und Noorbraten …

Krimi-Frühstück 1

– Oha. Klingt gefährlich. Fliegenpilze?

– Isst man nur einmal.

Sagt jedenfalls Stine, und die muss es

wissen, immerhin hat sie das Buffet

gezaubert. Als Vertretung übrigens. Für

Sörine, die Chefin, die krank im Bett lag.

Schon mitten in der Nacht ist die arme

Stine aufgestanden, um alles zu schaffen.

– Und? Hat sie?

– Und wie! Perfekt sah es aus. Und lecker war es! Jede einzelne Speise auf dem Tisch.

– Du hast alles probiert? Auch den Pilzsalat?*

– Logo. Und gelauscht. Der Krimilesung nämlich. Mord am Noor.

– Lesung und Fliegenpilze …

Krimi-Frühstück 5– Fällt langsam der Groschen?

– In Zeitlupe. Aber er fällt. Die Pilze haben

was mit dem Krimi zu tun, nicht?

– Der Salat ebenfalls. Und der Noorbraten.

Dazu gab es übrigens Kirschblau-Saft.

 

 

 

– Klingt nach einem kulinarischen Vergnügen.

– Das war es. Aber akustisch auch. Essen und zuhören, sozusagen.

– Wie kam das denn an?

– Ausverkauft, jeder Platz besetzt. Gäste begeistert, Autorinnen ebenfalls. Ein voller Erfolg.

– Mord und Frühstück, Mordsfrühstück. Muss ich mir merken.

Krimi-Frühstück 3

– Im Tortenstübchen. Beim nächsten Mal gibt’s auch noch Leichenfinger.

Die hat Stine diesmal nur nicht mehr rechtzeitig fertigbekommen.

Aber wenn Sörine nächstes Mal wieder gesund ist …

 

Kleine Lesungsnachlese

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Vor der LesungSo schön es auch ist …

Irgendwie gefällt mir der Zustand hinterher besser als der vorher. Das mag daran liegen, dass so eine Lesung immer was von einer Prüfung hat. Klar, ich werde nicht benotet für meine Leistungen. Bewertet aber schon. Irgendwie.
„So ein Schmarrn.“ Wenn das für einen Zuhörer das Fazit ist, entspricht das dem Supergau.
„Super, dieses Buch will ich lesen“, wäre dagegen die Traumbewertung.
Irgend so ein Bewertungsding läuft bei jedem Leser ab. Deshalb ist es wichtig, dass Leser lachen können. Dann bewerten sie freundlicher.
Unser diesmaliges Publikum zum Lachen zu bringen, war ganz einfach. Ich als Bayerin hatte nämlich – völlig unbeabsichtigt – immer wieder Textstellen auf Platt vorzulesen. Mit Platt ist es wie mit Bayrisch: Einheitliche Schreibweise? Niente. Platt ist nicht gleich Platt, wie Bayrisch nicht gleich Bayrisch ist. Und wer meint, dass Platt gesprochen wie geschrieben wird, muss noch ein paar schräge Dehnlaute erfinden, die irgendwo zwischen Vokalen und Umlauten liegen.
Ich erregte also Heiterkeit an Stellen, an denen wir das nicht vermutet hätten. Und hatten überhaupt viel Spaß mit unseren Zuhörern. Die brav ganz leise gegessen haben, damit wir nicht so schreien mussten. Vielen Dank an dieser Stelle!

Ja, und dann war’s rum und ich bekam ein Stück Windebyer-Noor-Torte. Hm, lecker!

Windebyer Noortorte
Extra für die Lesung von ‚Sörine‘ kreiert: Die Windebyer-Noor-Torte

Nach der Lesung ist vor der Lesung

Wer jetzt feststellt, dass er offensichtlich was verpasst hat, bekommt noch eine Chance. Am 6. April nämlich, zum Krimi-Frühstück.
Dann geht für mich alles wieder von vorn los. Aber diesmal, liebe Leute, müsst ihr aus anderen Gründen lachen. Platt les ich mit meiner bayrischen Zunge nämlich nicht mehr!