Aus unserem Nähkästchen

Eingetragen bei: Allgemein | 0

 

Warum ist es so, wie es ist?

Gute Frage, gell? Schon zum wiederholten Male stoßen wir auf das Problem, das wir hier ja auch schon diskutiert haben: Warum sprechen Elias / Ilya diese für Manche nervige Kleinkindersprache?
Heute erreichte uns wieder die Frage:
>Was sprach denn dagegen, das Kind einfach drei oder vier Jahre älter zu machen?<
Genau darum geht es. Warum sind Elias/Ilya erst zwei?

Das hat mehrere Gründe. Einmal – Zweijährige haben noch viel Babyhaftes an sich, eine Zartheit, die den Beschützerinstinkt in einem Menschen ganz besonders stark anspricht.
Ja, wir wissen, Babys haben das noch stärker. Aber die sprechen noch nicht – genau das jedoch brauchten wir. Eine nonverbale oder einseitige Interaktion zwischen Matthias und einem Baby wäre zwangsläufig recht langweilig geraten.
Wir hatten ja nur die ersten Kapitel, um zu zeigen, wie sehr Matthias mit Elias verbunden ist, ihn liebt. Man sollte doch verstehen, warum er hinterher so trauert, warum er sich in der Folge so sehr auf das Mittelalter einlässt.

Zeigen, nicht behaupten – führt dazu, dass der Leser an Matthias‘ Statt die wilde und verzweifelte Trauer empfindet. Dazu jedoch brauchten wir ein nachvollziehbares Kind – und das in der Knappheit des Buchbeginns. Schließlich wollten wir ja nicht eeeewig schreiben, wie wunderbar Matthias‘ Leben gewesen ist. Die Kleinkindsprache ist also nichts weiter als ein Stilmittel, dem geneigten Leser das alles zu zeigen.

Nun ja, es gab noch mehr Gründe. Praktische zum Beispiel. Elias musste sterben – und das auf eine Art, die Matthias‘ Schuldgefühle erklärt, aber auch zeigt, dass er nicht schuld ist.
Dafür haben wir hin und her erwogen – und schließlich das Asthma eingeführt. Es sollte eben kein Unfall aus heiterem Himmel passieren, sondern sich etwas abzeichnen.
Okay. Aber wie lässt man ein 3- oder 4-jähriges Kind an Asthma ersticken, das doch an der Hand geführt wird oder auf dem Arm ist? So was bleibt doch dem größten Ignoranten nicht verborgen.
Glaubt uns, ältere Kinder trägt man nicht mehr in Kraxen, ohne einen Bandscheibenvorfall zu provozieren. Aber genau das war die einzige Position, in der glaubhaft werden konnte, dass Matthias den Jungen bei sich hatte, aber der dennoch unbemerkt ersticken konnte. Warum, glaubt ihr, haben wir das Wasserrauschen in der Höhle so laut gemacht?

Außerdem: Und das ist der letzte Grund, der uns dazu bewogen hat, Elias / Ilya so jung zu machen. Frühestens im Jahre 1289 wurde mit dem Bau der Burg Ehrenberg begonnen. Das heißt, erst zu diesem Zeitpunkt waren Meinhard und damit Johann in der Nähe, erst zu diesem Zeitpunkt konnte Mila Johann begegnen.
Der Rest ist reine Rechnerei …
Die Geschichte spielt 1293, später geht nicht – aus geschichtlichen Gründen, die allerdings erst später aufgedeckt werden können.

Wie die Flederzeit Flügel bekam …

Eingetragen bei: Allgemein | 0

Am Anfang standen die Verlagsbewerbungen

Die Flederzeit wurde von uns nach Fertigstellung an verschiedene Verlage und Agenten geschickt. Wie üblich reagierten die meisten gar nicht, gemäß der Ansage auf ihren Homepage’s: „Wenn wir uns nicht innerhalb dieser oder jener Frist bei Ihnen melden, können Sie das als Absage betrachten.“ Wir betrachteten – und die hoffnungsvolle Runde unserer Bewerbungen schmolz dahin.
Andere reagierten. Ziemlich nett, aber dennoch: „Leider…“
Tja, wenn ein Brief (oder eine Mail) so begann, konnte er direkt in den Ordner mit Absagen abgelegt werden. Denn nach dem ‚Leider‘ kamen stets nur noch freundliche Standardworte als Absage.
Nun ja, die Runde der Bewerbungen war damit erschöpft, wieder einmal hatten wir irgendetwas nicht richtig gemacht. Verdammt, das war schier das Schwerste an der Sache: Was wollen Verlage denn eigentlich?
Vergesst, was die auf ihren Verlagsseiten stehen haben: „Wir sind immer interessiert an innovativen, frischen, neuen Sachen.“
Bücherweise hatten wir diese Anforderungen erfüllt – und nur Absagen bekommen. Veröffentlicht wurden dagegen die Geschichten, von denen es schon hunderte ähnliche gab. Die Worte der Verlage konnten also getrost mit: „Wir würden ja gerne was Neues veröffentlichen, aber das Altbekannte bringt sichere Verkaufszahlen. Also suchen wir das, was schon zigmal dagewesen ist.“

Gut, wir hatten bisher ja schon immer jede verfügbare Information aus den Absagen gezogen, auf das, was zwischen den Zeilen zu lesen war – und uns mit unseren Geschichten danach gerichtet. Also – auf ein Neues! Wir überlegten und schrieben los. Ein neuer historischer Roman, der die Wünsche der Verlage berücksichtigen würde, aber nur insoweit, dass wir uns nicht zu sehr verbiegen müssten.

Absage bleibt Absage, bleibt Absage – oder doch nicht?

Da flatterte noch ein Brief ins Haus, nach langer Zeit und völlig unverhofft. Und wer jetzt glaubt, das sei endlich eine Zusage – der irrt! Es gibt Geschichten ohne Happy End. Das Leben schreibt sie allzu gerne.
Natürlich war es noch eine Absage. Und dennoch, diese war eben doch anders als all die anderen: Sie war begründet.
Boah! Wenn man immer nur Standardabsagen gewohnt ist, ist eine mit Begründung direkt ein Erfolg (man wird ja bescheiden).
Langer Rede kurzer Sinn – das tolle an der Absage war, dass es eben nicht unser Schreibstil war, der dazu geführt hatte. Es war erstens die Tatsache, dass Matthias Krimiautor ist. „So was mögen die Lektoren gar nicht.“ Aha! Dann war es zweitens die Zeit: „Dreizehntes Jahrhundert ist bei Verlagen äußerst unbeliebt.“ Ach ja? War uns bisher noch niemals aufgefallen. Der dritte Grund jedoch hatte es in sich: „Und überhaupt sind historische Romane rückläufig. Die Verlage kaufen kaum Manuskripte mehr an.“
Peng, jetzt hatten wir es aber. Drei Gründe, warum die Flederzeit niemals angenommen werden würde – und der Finalgrund gar einer, warum keiner unserer wunderbaren historischen Romane jemals …

Genau in dem Moment kam uns die Idee: Wenn uns auch in Zukunft kein Verlag würde haben wollen, veröffentlichen wir halt selbst. Hastig brachen wir die Schreiberei an unserem aktuellen historischen Roman ab, widmeten uns ganz der Flederzeit, machten sie Amazon-Ausgehfein.
Und voila – da sind wir!

Diese Geschichte endet also ‚Happy‘, wenn auch ohne ‚End‘ – denn noch ist alles offen! Aber eines können wir sagen: Die Flederzeit wird gelesen und es gibt Menschen, denen sie so gefällt, dass sie uns das mitteilen wollen. Wenn das kein Erfolg ist!