Vampiralarm!

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Was mögen Leser lesen?

Wie mögen sie das verpackt haben? Wie wichtig sind Buchtitel und Buchcover?

Das fragen wir uns schon seit Jahren. Und genauso lange beobachten wir Bücher anderer Autoren, wie sie von der Leserschaft angenommen werden – oder eben nicht.
Das hat Einfluss auf unser Schreiben, auf die Titelgebung, auf unsere Cover, ohne jeden Zweifel.
Unser letzter historischer Roman ist eine Geschichte um die Vampirhysterie im Böhmen des achtzehnten Jahrhunderts. Und um die reale Adelige Eleonore von Schwarzenberg, die diesem Umstand – und der Tatsache, ziemlich mysteriös gewesen zu sein – ihren Beinamen Vampirprinzessin verdankte.
Nach ihr hätten wir das Buch gern benannt. Da es aber eine Fernsehdokumentation zur selben Person gibt, die auch so heißt, verzichteten wir.
Wir rangen also mit uns, kämpften mit Worten, mit Bedeutungen und Deutungen – und erkoren schließlich den Titel: Blut wie rot. Klingt stark, finden wir. Und verspricht auch etwas.
Wobei der Titel nach wie vor daran krankt, dass der Kern unserer Geschichte, eben der Bezug zu Vampiren, nicht so recht daraus ersichtlich ist.
Inzwischen sind wir mutiger geworden und fragen uns: Macht es etwas, wenn ein Fernsehfilm ebenso heißt? Nö, oder?
Daher haben wir es gewagt – und unser Buch umbenannt. ‚Die Vampirprinzessin‘ heißt es jetzt. Wie ursprünglich geplant.
Wohin der Geschichtshase läuft, ist jetzt doch ganz offensichtlich, oder?

Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben – Teil 4

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 Mord im Ort

In Krimis geschehen gern Morde. In Regionalkrimis mit Vorliebe an prägnanten Orten, die die Ortsansässigen oder Fans auch wiederfinden und sie besuchen können, um mit Schaudern an die schrecklichen Begebenheiten der Geschichte zu denken. Da soll unser Krimi keine Ausnahme machen.
Jetzt wirft sich uns allerdings eine wirklich wichtige Frage auf: Unser Mord findet in einem Privathaus statt. Er wird gemeldet, die Polizei kommt, Spurensicherung, Kripo … Die alle fahren zu einer ganz bestimmten Adresse, die auch genannt wird. Immerhin ist sie nicht zufällig gewählt, die Örtlichkeiten spielen eine Rolle für den Handlungsverlauf.
Das heißt aber natürlich auch, dass an dieser Adresse jemand lebt. Irgendjemand wohnt in dem Haus, das wir als Tatort auserkoren haben.
Nun ist es ja nicht zwangsläufig so, dass der echte Hausbewohner sich freut, wenn er erfährt, was wir bei ihm geschehen lassen. Demgemäß gefällt uns der Gedanke nicht sonderlich, dort einfach mal zu klingeln und den Leuten mitzuteilen, was wir planen.
Alternativ könnten wir natürlich einen Tatort erfinden. Was einerseits größere Eingriffe in die lokalen Gegebenheiten erfordert. Eine neue Straße müsste her, ein Grundstück geschaffen werden, mehr als nur ein Haus erbaut … Und andererseits den Reiz schmälert, den es für den Leser ausmacht, eine Geschichte zu lesen, die an bekannten Orten spielt.

Hm. Schwierig, schwierig. Wie seht ihr das denn?

Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben – Teil 3

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Die Qual der Wahl

Beim Krimischreiben hat man bekanntermaßen ja mehrere Möglichkeiten, wie man das Ganze angeht: Soll es vielleicht ein Täterkrimi werden á la Columbo? Wir schreiben den absolut wasserdichten Mord, der Leser weiß also genau, wer der Mörder ist, und darf atemlos mitverfolgen, wie unser brillanter Kommissar per Hirnschmalz den Fall löst.
Das setzt einiges voraus. Vor allem Hirnschmalz beim Autor. Ob das bei uns dazu reicht? *grübel, grübel*

Oder wir nehmen die Ermittlersicht ein. Der Mord geschieht, die Kripo – oder der mit kriminalistischer Hochbegabung gesegnete Detektiv, der Journalist, der eigentlich nur eine Reportage schreiben wollte, der verkrachte und unehrenhaft entlassene Polizist, der dringend rehabilitiert werden muss – kommt, verhört, ermittelt hin und her, gerät in Sackgassen, kommt auf neue Spuren, die sich wieder als falsch erweisen, doch schließlich, nach dem letzten entscheidenden Hinweis, kommt er endlich auf die Fährte des Täters.

Oder wir schreiben alles eher als Thriller: Ein gänzlich von Mord und Totschlag unbeleckter Mensch wird einfach in die Situation geworfen, wird vielleicht selbst verdächtigt, muss auf eigene Faust ermitteln.
Das hat was! Wir nehmen ein weibliches Autorenduo … Damit kennen wir uns wenigstens aus.
Aber dann? Hm.

Danach geht dann dasselbe Problem wieder los. Welcher Tatort? In unserem Fall quälen wir uns zwischen Hütte, Noor, Strand …

Ist schon ne Menge, was da bedacht werden muss. Was lest ihr denn am liebsten?

Tatort Noor Tatort Strand

Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben – Teil 2

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Tortenstübchen EingangEine schöne Geschichte braucht einen schönen Handlungsort

Vielleicht hat es der eine oder andere erkannt: Vorgestern sind wir in Eckernförde gewesen. Heute übrigens gleich nochmal, weil wir einem sehr wichtigen Handlungsort einen Besuch abstatten wollten: Dem Tortenstübchen.

Unser Plan, einen Regionalkrimi in Eckernförde spielen zu lassen, ist vor etwa einem Jahr geboren worden. Damals hat Runa, noch ganz ohne Hintergedanken, mir ihren Geburtsort Eckernförde vorgestellt. Und genau zu dem Zeitpunkt, als wir einen Nachmittags-Kaffee brauchten, sind wir zufällig vor dem Tortenstübchen gestanden.
Kennt ihr das? Ein süßes kleines Café am Jungfernstieg, eingerichtet wie eine nostalgische Puppenstube, in dem es eine kleine Auswahl exquisiter Torten gibt.
Wer uns ganz besonders beeindruckt hat, als wir, auf einer wundervoll altmodischen Couch sitzend einen ‚Blauen Heinrich‘ vernaschten, war die Inhaberin ebendiesen Cafés. Sie saß auf einer kleinen Couch an einem Tisch am Rande der Stube und hatte neben einer Tasse Kaffee ihr Büro vor sich aufgebaut. Frau Schmidt, das wissen wir inzwischen, arbeitet von dort aus, erledigt ihren Schriftkram, macht Dienstpläne, telefoniert – und regiert ihr Tortenstübchen.
Ganz erfüllt von der wundervollen Atmosphäre – und mit sahnetortengefüllten Bäuchen – trabten wir schließlich wieder von Dannen. Erst am Abend wagten wir den Gedanken auszusprechen, der uns dabei bereits durch die Köpfe geisterte: Was wäre, wenn wir das Tortenstübchen mit in unseren Krimi einbauen würden?
Nun ja, im Frühjahr diesen Jahres wagten wir es, fragten an – und wurden überwältigend freundlich aufgenommen. Heute waren wir wieder da und haben über Details gesprochen.
Mir zuliebe hat es wieder ‚Blauen Heinrich‘ gegeben – diese Torte wird in unserem Krimi ebenfalls eine Rolle spielen. Und nicht nur die! Auch Frau Schmidt und Frau Petersen wollen dabei sein – als Sörine Heinrich und Ulrike Hobbe.
Für euch haben wir einstweilen schon mal ein Stück Blauen Heinrich mitgebracht. Den könnt ihr jetzt zumindest angucken.
Wer ihn live genießen möchte, das Tortenstübchen in Eckernförde liegt zwischen historischer Altstadt und Strand am Jungfernstieg 68 A. http://www.tortenstübchen-eckernförde.de/
Es ist auf alle Fälle eine Sünde wert! Folgt einfach Rosa, der nostalgischen Strandfee!

TortenRosa

Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben – Teil 1

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Eckernförde HolzbrückeBegleitet uns bei unserem neuen Projekt!

 

Nach sieben historischen Romanen, bzw. Büchern, die vor historischem Hintergrund spielen, haben Runa und ich uns dazu entschlossen, uns mal in ein anderes Genre vorzuwagen: Unser nächstes Buch soll nämlich ein Krimi werden. Ein Regionalkrimi, um genauer zu sein.
Noch sind wir ganz am Anfang. In der Plotbrüterei, sozusagen. Wir grübeln. Was soll geschehen? Warum, wo? Und die alles entscheidende Frage: Wer ist der Mörder?
Aber wir lassen es ruhig angehen und recherchieren erst mal vor Ort. Hier ein paar Fotos.

Wer erkennt, wo wir gestern waren?

 

 

 

 

 

 

Eckerförde KühlhausEckernförde Hafen

Blut wie rot – unser brandneuer Roman

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Von Blut, Leichen und vom Bücherschreiben

In unserem Autorengeschäft geht es mitunter ganz schön blutig zu.
Nein, nein, damit sind nicht die von uns totgeschriebenen Protagonisten gemeint. Und auch nicht die, die uns im wahren Leben krumm kommen und im Buch mal eben von uns ums Eck gebracht werden. Rache üben und so.
Unsere Morderei geht erst nach Abschluss eines Romans so richtig los. Es sind nämlich Hurenkinder, die wir eliminieren. Und Leichen, die wir beseitigen müssen.
Andere mögen sie ja im Keller haben, bei uns tummeln sie sich im Text. Echt.
Keine echten, natürlich nicht. Überarbeitungsleichen. Die kommen beim Setzen von selbst. Massenhaft. Wir machen sie dann weg. Sehr blutiges Geschäft.
Wir gucken ganz harmlos, und peng, ist da schon wieder eine.
Also, dann bleibt uns nix und wir krempeln die Ärmel hoch. Jammern gibt’s nicht.

*Seufz* Es gibt schönere Arbeiten, glaubt uns. Es zieht sich nämlich, bis alle weggeräumt sind.

 

Wolf klein

Ach übrigens, für diesmal sind wir durch. Und das heißt: Am 1. September erscheint unser neuer Roman:

BLUT WIE ROT

Blutig wie nie, rot wie noch überhaupt gar nie nicht. Und ohne Überarbeitungsleichen.
Wer es lieber gedruckt mag, wird bei der Suche nach Hurenkindern auch nicht fündig. Alle weg.

Übrigens: Zu den Schusterjungen waren wir nicht ganz so unfreundlich. Die durften bleiben. Sitzen eh nur im Keller rum. Wer guckt denn da hin?
Aber der Rest musste weg. Und zwar ratzfatz.

Übrig bleibt ein hochspannender Roman um Liebe, Vampire und Wölfe. Und mit BLUT!

 

Als Český Krumlov noch Böhmisch Krumau war …

Wolf groß… lebte dort die Vampirprinzessin

Adelas Welt gerät ins Wanken, als sie entdeckt, dass ihr Vater ein Vampirjäger ist. Doch da ist es auch schon zu spät, sie selbst wird für einen Vampir gehalten und gejagt. Zwar gelingt ihr die Flucht, die Häscher sind ihr aber dicht auf den Fersen.

So bleibt ihr nichts, als die Hilfe des undurchsichtigen Tiro anzunehmen, der sie in ihrem Versteck aufstöbert.
Prompt gerät sie vom Regen in die Traufe, denn der bringt sie ausgerechnet auf Schloss Krumau, wo die berüchtigte Fürstin Eleonore von Schwarzenberg lebt. Die steht nicht nur im Ruf, selbst mit Vampiren zu tun zu haben, sie züchtet auch Wölfe, um deren Milch zu trinken.
Adelas Aufgabe wird es, die Wölfinnen zu melken. Eine gefährliche Arbeit.
Dabei begegnet sie immer wieder dem Alchemisten-Lehrling Tiro. Der ganz eigene Pläne verfolgt, dunkle, gefährliche. Und ehe Adela sich versieht, steckt sie in noch viel übleren Schwierigkeiten. Denn sie stolpert über eine schlimm zugerichtete Leiche, eindeutig das Opfer von Vampiren.

Natürlich ist sie es, die unter Verdacht gerät …

Ein Roman, fast wie ein Märchen …

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Schreiben und geschrieben werden

Manche Dinge sind schnell erledigt. Andere dauern ein bisschen länger.
Als ich, Maria, 2008 mit dem Schreiben begann, war ich blitzschnell. In drei Monaten einen 700 (Norm)Seiten Schmöker schaffen? Kein Problem!
Ja, da waren die Zeiten noch einfach. Nichts und niemand wartete auf mein Geschreibsel. Ob ich heute oder morgen damit fertig werden würde, spielte überhaupt keine Rolle.
Hm, das richtige Argument für hohes Schreibtempo ist das aber nicht.
Aber es fehlt ja auch noch was: Ab dem Moment, wenn mal ein Buch veröffentlicht ist, bekommt alles einen ganz eigenen Drive. Weil plötzlich andere Interessen mit hineinspielen. Beispiel gefällig?

Verlagsjagd

2012 haben Runa und ich Flederzeit Teil 1 geschrieben, damals noch, um dafür einen Verlag zu finden. Ganz naiv glaubten wir, dass ein gutes Buch selbstverständlich auch angenommen werden würde. Wir feilten also gründlich an unserer Geschichte und schickten sie schließlich ab. Dann warteten wir. Und warteten. Und warteten.
Die ‚Flederzeit‘ war von vornherein auf mehrere Teile ausgelegt, also machten wir uns hurtig an Teil 2. Doch als von Verlagsseite erst mal nicht wirklich viel geschah, fragten wir uns schon, ob es Sinn macht, eine Geschichte fortzusetzen, die keiner drucken will.
Es war und ist ja nicht so, dass es uns an Ideen mangelt – und so war es ein Leichtes, Stoff für einen neuen Roman zu finden. Mit Vampiren sollte er diesmal sein, wenn Fledermäuse alleine nicht ausreichend waren. Auch mit ein bisschen Magie, schließlich liegt Runa und mir Fantasy sehr. Und ja, historisch musste es auch sein, denn historische Romane ‚ziehen‘. Hieß es damals zumindest.
Also losrecherchiert …

 

Blogbeitrag Ein Buch fast wie ein MärchenFürstin Eleonore von Schwarzenberg

Mensch, da gibt es ja die Fürstin Eleonore von Schwarzenberg, genannt ‚die Vampirprinzessin‘. Weil sie seltsam war und weil sie in der Zeit der großen Vampirhysterie dort lebte, wo die am schlimmsten tobte: in Böhmen.
Wir vertieften uns also in ihre Geschichte. Die voller Tragik und Drama steckte, voller Trostlosigkeit und letztendlich Resignation.
Naja, also so richtig toll geeignet für einen packenden Roman war der Stoff nicht. Irgendwie viel zu traurig. Jedenfalls für uns Happy-End-Schreiber.
Aber wenn wir nur den einen Aspekt herausgreifen würden, die Zeit, in der Eleonore von Schwarzenberg glücklich gewesen sein musste – und das Ganze mit erfundenen Schicksalen verknüpfen würden? Ja, so konnte das gehen!
Die Rahmengeschichte war rasch entwickelt: Die blutjunge Adela gerät als vermeintlicher Vampir ins Visier der Vampirjäger, muss flüchten – und findet nur Hilfe beim undurchsichtigen Tiro, der sie auf Schloss Krumau bringt. Dort läuft sie der Fürstin in die Arme, die sie prompt als Magd einstellt. Aber als eine mit ganz besonderen Aufgaben: Adela soll fortan die Wölfinnen melken, denn die Fürstin gelüstet es nach Wolfsmilch. Doch Tiro hat ganz andere Pläne mit Adela. Und als Vampire im Schloss zuschlagen, gerät Adela erneut unter Verdacht …
Wir legten also los. Oh ja, anfangs lief es wirklich gut, wir kamen, wie gewohnt, rasch voran. Doch es zeigte sich, dass es eine Sache ist, über eine Burgruine zu schreiben und die einfach ‚heil‘ zu erfinden, wie wir das mit Ehrenberg in der Flederzeit gemacht hatten. Eine ganz andere jedoch war es, ein komplettes Schloss zu beschreiben, das vor über zweihundert Jahren schon ebenso ausgesehen hat wie heute.

 

Schloss KrumauBesuch an Ort und Stelle

Und so machten wir uns auf den Weg nach Krumau, Böhmisch Krumau oder Cesky Krumlov. Stadt, Schloss, die Vampirgräber – wow! Mit Bildern im Kopf, so sagten wir uns, würde die Geschichte jetzt rasch weitergehen.
Mittlerweile waren wir in Bezug auf unsere Flederzeit zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Verlage für alles mögliche interessieren mögen, nicht jedoch für uns.
Und so wurden wir Ende 2012 Selfpublisher.
Hui. Wer hätte das gedacht? Die Flederzeit wurde gekauft und gelesen. Sie wurde gelobt und auch verrissen. Egal, egal, wir waren endlich dort angelangt, wo wir schon lange sein wollten: Beim Leser.
Jetzt war es dringend notwendig, Teil 2 zu veröffentlichen. Also musste die Vampirprinzessin auf Eis und wir tobten uns wieder auf Burg Ehrenberg und im Jahr 1293 aus. Danach, so meinten wir jedenfalls, würden wir flugs mit unserer Vampirprinzessin weiterkommen.
Wir haben sogar einen Anlauf genommen, damals, 2013. Und 2014, nach Vollendung des 3. Teils der Flederzeit nochmals.
Aber dazwischen kamen wir auch noch auf verschiedene andere Ideen. Zum Beispiel, weitere bereits geschriebene Geschichten, die in der Schublade geduldig warteten, als E-Books aufzubereiten.
Aber dann … wir lasen das nochmals, was von der Vampirprinzessin bereits existierte – und waren begeistert. Erstens, weil es schon richtig viel war, etwa zwei Drittel des Romans und zweitens, weil es echt klasse war. Den Rest würden wir schnell fertig haben. Also los.

Eigentlich, fiel uns dann ein, weil die Flederzeit sich wirklich gut gemacht hatte, wäre es schade, den Lesern unsere ebenfalls schon lange geplanten Zusatzgeschichten, Spinn-Offs, um genauer zu sein, vorzuenthalten. Also unterbrachen wir die vielunterbrochene Geschichte um Adela und ihren merkwürdigen Freund Tiro nochmals und schrieben ‚Der Knappe der Junkersfrau‘ und ‚Urlaub im Mittelalter‘. Aber danach …
Danach bearbeiteten wir noch eine bereits geschriebene Geschichte, Runa schrieb sogar noch zwei weitere Bücher (sie ist echt so schnell geblieben, schreibt wie der Teufel). Keiner sprach mehr von der ‚Vampirprinzessin‘. Sie war irgendwie sanft in einen Dornröschenschlaf gesunken.

 

Rosenhecke für BlogbeitragDa wuchs die Hecke riesengroß

Aber nun sind die ‚hundert Jahre‘ endlich vorüber. Der strahlende Prinz der Inspiration kam nämlich plötzlich angeritten und hat mit seinem Schwert eine Schneise in die inzwischen wundervoll blühende Rosenhecke geschnitten. Danach hat er sich über die Vampirprinzessin gebeugt und sie wachgeküsst.
Ja, wir können es kaum glauben, aber wir haben es tatsächlich geschafft. Unser Roman, den wir 2012 begonnen haben, ist endlich fertig!

 Die Vampirprinzessin

Da es eine wirklich interessante Dokumentation gleichen Namens gibt, von Klaus Steindl und Andreas Sulzer, über die Vampirhysterie damals, in deren Mittelpunkt tatsächlich Fürstin Eleonore von Schwarzenberg steht, haben wir uns allerdings für einen anderen Buchtitel entschieden:

Blut wie rot

Klingt fast wie im Märchen, gell? Und genau das ist es. Fast ein Märchen. Aber eben nur fast!

 

Übrigens: ‚Blut wie rot‘ wird am 1. September 2015 veröffentlicht!

Ludwig XIV. sei Dank!

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Was macht Sprache ‚modern‘?

Historische Romane schreiben – wie oft werden wir dafür gerügt, angeblich zu moderne Begriffe und Umschreibungen zu benutzen. Unser letzter Blogbeitrag handelte schon davon. Aber es nützt offensichtlich nix zu betonen, dass Mittelhochdeutsch und selbst Frühneuhochdeutsch, die Sprachen, die damals gesprochen worden sind, sich für uns heute fast wie Fremdsprachen anhören würden.
Okay (englisch, modern und keinesfalls für historische Romane zu verwenden), dann nehmt das!

„Das Trepizzen seines Burds war Mila algerehte kund – ob ihr das boresere swaere war. Sie hätte alsmaere verschwiegen, dass ihre kniebeine broeder wurden und ihr ader bezzerte, ob sie ihre besamenunge bekehrte: Sie vermochte es nicht abestoeren.“
Das ist der Beginn unserer Zeitreise-Trilogie ‚Flederzeit‘ in wirklich zeitgemäßer Sprache (Teil 1: Die Drohung). Nein, leider nicht auf Mittelhochdeutsch – auch wenn Runa damals in der Schule einen diesbezüglich sehr engagierten Deutschlehrer genossen hat, ist das zu lange her, als dass sie hier eine exakte Übersetzung hinlegen könnte. Aber sie hat sämtliche ‚ausländischen‘ Lehnworte ausgemerzt und durch mittelalterliche Begriffe ersetzt.
Klingt doch geradezu exotisch, oder?

 

Buch für Lui XIVWie reden wir denn?

Zu allen Zeiten hatten die Menschen die Worte, die sie nun mal brauchten. Dass die heute oft ganz anders lauten als damals – liegt daran, dass sich eine Sprache unablässig verändert. Ausländische Einflüsse wirken hinein. Ins Urdeutsch, soweit man davon sprechen kann, denn lange gab es ja gar kein vereinheitlichtes Deutsch, flossen zuerst mal lateinische Ausdrücke (Fenster, Tür, Tisch, Bett). Dann kamen die Griechen dazu (Lampe, Theater, Bibel). Im 17. Jahrhundert war dann Frankreich sehr modern (Fassade, Idee, schikanieren). Heute ist es Englisch. Unsere Urgroßmütter und -väter würden so manchen Ausdruck von uns heute nicht mehr verstehen. Und in zwei, drei Generationen werden unsere Ur-urenkel die Köpfe über unsere altmodische Aussprache schütteln.

 

Lui XIVLeidenschaft für Pragmatismus

Fakt ist, Sprache ist uns sehr wichtig. Man könnte uns als Sprachfanatiker bezeichnen. Das heißt, wir schreiben nicht einfach irgendwie drauf los, sondern überlegen sehr genau, ob das Wort, die Umschreibung, die Redewendung in die Zeit passen, aus der wir erzählen.

Wie oft mussten wir in den letzten Jahren beim Schreiben innehalten – und unseren Kopf nach deutschen Ausdrücken für verbotene Wörter durchforsten?

Er hatte keine Chance. – Hilfe, französisch! – Was also stattdessen: Gelegenheit, Möglichkeit, Aussicht …?

Sie trat auf den Balkon. – schon wieder französisch! … auf die Galerie – klingt auch französisch, aber können wir das nehmen, wenn wir uns darauf berufen, dass das französische Wort doch von dem lateinischen Galeria abstammt? Oder bedeutete das Galeere? – … auf den Mauervorsprung mit Geländer – Ist Geländer ein deutsches Wort?

Bereits ins Mittelhochdeutsche sind neben lateinischen auch französische Begriffe eingeflossen, aber da wir eben keine Sprachwissenschaftler sind, haben wir uns lieber nicht darauf verlassen.

 

Vive la France – Freiheit für Winacht & Noel

Bei unserem neusten historischen Roman, der in Kürze erscheinen wird, haben wir uns dieser Quälerei jedoch entbunden – er spielt nämlich nach Ludwig dem XIV., der eine richtige Modewelle von französischen Fremdwörtern ausgelöst hat. Naja, zumindest in der Welt der feineren Leute, und unsere Hauptpersonen leben auf einem fürstlichen Schloss. Da werden sie doch auch die Chance haben, so einige chique neue Vokabeln aufzuschnappen!

 

Kabarett, das uns aus der Seele spricht

Wie wir neulich festgestellt haben, sind wir nicht die Einzigen, die sich mit derlei Fragen beschäftigen. Auch der Kabarettist Thomas Freitag hat sich des Themas auf sehr amüsante Weise angenommen.

Aber seht selbst! Fremdwörter in Schillers Glocke

Schreiben, Sprechen und Sprache

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Historische Sprache für einen historischen Roman?

Gerade arbeite ich (Maria) so ganz gemütlich vor mich hin … genauer, ich überarbeite unseren Blog, da fällt mir ein uralter Beitrag auf, der gerade einen sehr aktuellen Bezug hat. Nämlich die Sprache.
Wer historische Romane mag, egal ob er sie liest oder schreibt, dem ist das schon einmal begegnet: Unsere Vorfahren haben anders gesprochen als wir heute.
Ja, Sprache verändert sich. Begriffe verschwinden, neue kommen hinzu, Grammatik wandelt sich, die Rechtschreibung sowieso. Je weiter man in die Vergangenheit zurückguckt, desto seltsamer und fremder mutet die damalige Sprache an. In historischen Romanen wird diesem Umstand immer wieder mal Rechnung getragen, indem eine altertümlich klingende Sprache verwendet wird.
Ja, und das ist der Punkt, weshalb ich diesen Artikel hier verfasse: Zuweilen wird Runa und mir vorgeworfen, dass wir das nicht tun. Deshalb hab ich mir noch einmal ein paar Gedanken zur Begründung gemacht. Warum verwenden wir für Geschichten, die in der Vergangenheit spielen, eine absolut moderne Sprache?

Sind Fremdworte wirklich immer fremde Worte?

Ganz so ist es natürlich nicht. Wir wählen sehr sorgfältig aus. Nämlich ausgehend von der Zeit, über die wir schreiben.
Latein: Gebildete Menschen waren auch damals bereits des Lateinischen mächtig. Alle Worte also, die sich davon ableiten, sind erlaubt. Spazieren, reparieren, Tafel, Fenster. Das einfache Volk allerdings kennt diese Begriffe wahrscheinlich noch nicht. Was aber das Problem aufwirft, wenn wir ein Fenster haben, das repariert werden muss, was schreiben wir?
Sicher gab es schon immer Fenster, aber die hießen damals noch anders. Kennt jemand das Wort dafür? Hätten wir suchen und es verwenden sollen? Gibt es wirklich jemanden, der lieber vom Wankhnuss (oder Wanknus oder Wangnuss) lesen mag als vom Gefängnis oder Kerker? Wobei Letzteres schon wieder ein lateinisches Wort ist.

Gleiches Beispiel mit Französisch. Gab es schon Berührungspunkte mit Frankreich? Zur Zeit der Flederzeit beispielsweise nicht. Also müssen alle französischen Begriffe gemieden werden. So gab es damals mit Sicherheit weder Balkon, Etage, Fassade, Karussell, Taille. Leider aber auch noch keine Chance. Wir brauchen aber eine Chance. Was jetzt?
Und so weiter …

Mit allen Wassern gewaschene Fettnäpfchen

Auch bei den verwendeten Redewendungen suchen wir stets danach, wie alt diese ist. Konnten Menschen gegen Ende des Mittelalters bereits wissen, was ‚aus der Bahn geworfen‘ bedeutet?
Konnten sie, denn das bezog sich auf die Turnier-Bahn.
Aber konnten sie auch schon in ein Fettnäpfchen treten?
Aber ja, der Ursprung kommt aus dem ganz frühen Mittelalter und bezieht sich auf die Näpfe, die unter zu trocknende Würste und Schinken gestellt wurden. Wer ungeschickt genug war …
Wie sieht es aber aus mit ‚ist mit allen Wassern gewaschen‘?
Tja, diese Redewendung mag es zu Zeiten der Flederzeit schon gegeben haben, sie bezieht sich allerdings auf Matrosen, auf Wasser der Ozeane. Nix für uns also!

Deutsch und Teutsch

Für alle, die interessiert, wie die Menschen des 13. Jahrhunderts gesprochen haben, hier der Link zu dem alten Beitrag. Dort könnt ihr euch die Zähne ausbeißen an der Übersetzung vom Frühneuhochdeutschen in unser heutiges Neuhochdeutsch. http://www.winacht-und-noel.de/sprachprobleme/

Mich schmerzt der oben genannte Vorwurf stets, wird er doch in aller Regel dazu verwendet, uns 1. mangelnde Recherche vorzuwerfen und 2. Punkte für die Rezension abzuziehen.
Dabei ist wirklich das Gegenteil der Fall: Wir recherchieren seeeehr ausführlich. Dass wir dennoch mitunter ‚modern‘ anmutende Begriffe verwenden, liegt daran, wie ebenfalls oben erwähnt, dass wir eben keinen Ersatz dafür gefunden haben.
Alte Worte und Begriffe, z. B. Scherge oder Büttel, von denen gar nicht klar ist, ob sie zu der Zeit, in der wir sie brauchen, überhaupt verwendet worden sind, haben wir bewusst gemieden. Einfach aus dem Grund, weil sie den Lesefluss stören würden.
Oder weiß jeder, der das hier liest, dass es sich dabei um abfällige Bezeichnungen für Polizisten handelt? Haben wirklich alle Leser Lust, ständig nach der Übersetzung für Worte zu suchen, die sich nicht von selbst erklären?
Runa und ich zumindest nicht. Wir wollen nicht in einer spannenden Szene aufgehalten werden, weil wir erst einmal klären müssen, dass ‚der Grotze‘ – ‚die Gurgel‘, ‚präsumieren‘ – ‚erwarten‘ und ‚Handgeklapper‘ – ‚Applaus‘ bedeutet.
Was wir von einem guten Buch erwarten, egal ob Liebesroman, Fantasy oder Historie, ist, dass wir in den Kopf des Protagonisten eintauchen, seine Gedanken denken, für die Dauer der Geschichte dieser Mensch sein können. Indem der ständig Begriffe, Redewendungen und Bilder benutzt, die wir nicht auf Anhieb verstehen, die uns fremd vorkommen, erzeugen wir Distanz – das Gegenteil von dem, was wir wollen.

Dennoch haben wir in geringem Umfang den damaligen Sprachgebrauch berücksichtigt.
Nein, wir haben Frauengemächer geschrieben und nicht Kemenaten. Auch heißt bei uns Geiz nicht Kargheit. Unsere Voraussetzung ist stets, dass wir damit noch zusätzlich etwas zeigen können.
Die Anreden beispielsweise. Stellen sie doch deutlich heraus, welches Gesellschaftsgefälle damals existiert hat. So legt Johann Wert darauf, dass er ‚geihrzt‘ wird, wohingegen es Mila gewohnt ist, mit ‚du‘ angesprochen zu werden.
Die meisten zeitgemäß alten Begriffe, die sich in der Flederzeit finden, haben wir in einem Glossar zusammengefasst. Andere hingegen werden gleich an Ort und Stelle geklärt, wenn Mattis oder Brigitte nachfragen und letztlich für den Leser ‚ausdeutschen‘ was gemeint ist. So ist Ruthi das heutige Reutte, Ernberg der alte Namen für die Burg Ehrenberg und Munichen der damalige Name für München.

Das Ganze gilt auch umgekehrt: Mila verwendet manchmal moderne Dinge – und benennt sie auch richtig. Allerdings so, wie sie verstanden hat, dass sie heißen. Genauso lautgetreu haben wir das wiedergegeben. Hen-di statt Handy, Ack-ku statt Akku.
Und ja, wir glauben daran, dass ein Mensch des auslaufenden Mittelalters sehr wohl in der Lage ist, sich Worte zu merken, die er noch nie zuvor gehört hat. Die allerdings auch kurz und einfach sind, wie beispielsweise die beiden obig genannten.
Das aber nur, weil dieser Vorwurf in einer Rezension tatsächlich erst kürzlich zu Punktabzug geführt hat.

Lesegenuss ist ausschlaggebend

Zusammengefasst lässt sich sagen: Wer liest ein holländisches Buch auf Holländisch? Jemand, der die Sprache entsprechend gut beherrscht. Dasselbe gilt natürlich für schwizerdütsche und jiddische Bücher.
Mittelhochdeutsch (1050 – etwa 1350) und Frühneuhochdeutsch (direkt im Anschluss – etwa 1650) unterscheiden sich von unserem heute gesprochenen Neuhochdeutsch fast ebenso. Nur wer dessen so mächtig ist, dass er Freude dabei empfinden kann, kann den Wunsch verspüren, diese Sprachen auch lesen zu wollen (siehe den beigefügten Link). Das dürften die wenigsten sein.
Runa und ich sind ja nicht nur Autoren, sondern vielmehr auch Leser. Die sich gerne unterhalten lassen. Aber bitte in einer Sprache, die wir auch verstehen.

Neue Homepage – alte Geschichte

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Dürfen wir vorstellen – unsere nigelnagelneue Homepage. Sie glänzt und glitzert, so frisch ist sie, sie duftet und strahlt.
Bis so eine neue Homepage an den Start gehen kann, stecken viele Stunden Arbeit darin. Die vor allem René, mein Mann (hier schreibt nämlich Maria) gemacht hat. Ihm gebührt ne Menge Dank für viele Sams- und Sonntage, die er deshalb vor dem PC verbracht hat.
Beim Überprüfen, für das Runa und ich zuständig waren, ist uns dann aufgefallen, dass ein Blogbeitrag fehlt. Ein ganz alter. Aber weil er so amüsant ist, haben wir ihn aus den Tiefen meines PC’s gekramt – und Tataaaa – hier ist er: Indiana-Tiger. Viel Spaß!

Indiana Tiger – unser Abenteuerkater

Unser Tiger ist weg. Schon seit zwei Tagen, wie man unschwer an den unberührten Futternäpfen feststellen kann. Seltsam eigentlich, dass sie voll geblieben sind, denn wir haben drei Katzen. Was fressen denn die anderen beiden? Nur Trockenfutter?
Na, wie auch immer, wir suchen nach unserem Kater. Er ist sehr zutraulich und neugierig, läuft überall hin – und wird dabei auch mal versehentlich eingesperrt. Einmal war er vier Tage im leerstehenden Nachbarhaus … Wir klettern flugs über den Zaun und lugen dort in die Fenster.
Naja, einen Versuch war’s wert.
Vielleicht – ein Haus weiter ist heute jemand ausgezogen?
Aber nein, dort ist er auch nicht. Steckt er womöglich im Umzugswagen und fährt gerade in die weite Welt hinaus? Mir wird ganz anders. Nie mehr wird er dann zu uns zurückfinden.

Er fehlt uns. Tiger ist so gesellig, begrüßt uns stets in der Einfahrt, wenn wir nach Hause kommen, geht mit, wenn der Hund Gassi geführt wird, liegt in der Fensternische, wenn wir am Esstisch daneben essen. Morgens fordert er laut maunzend seine ‘Guten-Morgen’-Milch und ein paar Bröckchen Hunde-Trockenfutter. Wenn eine geschlossene Tür seinen Weg versperrt, plärrt er empört durchs ganze Haus. Und er beschenkt uns mindestens einmal wöchentlich mit einem Mäuschen. Da er uns mittlerweile für fortgeschrittene Mäusebeseitiger hält, meist sogar mit einem lebendigen. Was zu recht lustigen Mäuse-Einfang-Szenen bei uns führt. Inzwischen haben wir richtig Übung, fangen die Mäuse mit einem Glas, damit wir sie hinterher noch ausgiebig bewundern können, ehe wir sie an einem vor den Katzen sicheren Ort wieder in die Freiheit entlassen.

So einen Kater vermisst man sehr schnell und sehr schmerzlich. Niemand, der uns irgendwo abholt und unmissverständlich klarmacht, dass JETZT Fütterzeit ist. Niemand, der im Bett liegt, wenn man hineinschlüpfen will und sich nur sehr schwer zur Seite schieben lässt. Und niemand, der in meinem Arm liegt, den Kopf an den Hals geschmiegt. In den er dann, laut vor Wonne schnurrend, hineinbeißen muss. Ganz zart und liebevoll natürlich.

Nein, es geht nicht ohne ihn. Wir brauchen unseren Tiger wieder. Und deswegen suchen wir. Klopfen an Haustüren und bitten darum, Garagen und Keller zu öffnen. Wir finden ihn nicht.
Darüber wird es Abend.
Ich gehe ins Haus, die anderen Tiere füttern, mein Mann bleibt draußen und ruft.
Schließlich stürmt er herein: „Tiger ist doch im Nachbarhaus, gerade habe ich ihn gehört und eben auch gesehen.“

Nachbarhaus ganz mit Rahmen Das unheimliche Nachbarhaus

Das Nachbarhaus, ich habe es ja schon erwähnt, steht leer, seit seine uralte Bewohnerin vor etlichen Jahren ins Altersheim gegangen ist. Deren Kinder kommen ab und zu vorbei und pflegen den Garten. Wobei man sich hier unter dem Begriff ‘Kinder’ – Siebzigjährige vorstellen muss, schließlich ist die ehemalige Nachbarin mittlerweile fast hundert Jahre alt.

Während der Garten unverdrossen gedeiht, verfällt das alte Haus zusehens. Die Vorhänge in den Fenstern sehen aus wie abgeknabbert – und sind es wahrscheinlich auch. Für Mäuse ist es sicherlich ein Traum. Für uns weniger, denn klappernde Fensterläden und wackelnde Dachantennen bei Nacht machen das Nachbarhaus ein wenig unheimlich.

Heute ist jedoch für Grusel und Co keine Zeit. Es ist Sonntag-Abend, halb zehn. Wir wissen weder, wie die ‘Kinder’ heißen, noch, wo sie wohnen. Aber es gibt andere Nachbarn, ebenfalls über Siebzig, die wissen es. Brennt bei denen vielleicht noch Licht?
Es ist peinlich, aber was sollen wir tun? Tiger noch eine Nacht eingesperrt lassen? Eine Scheibe zertrümmern?
Ich klingle todesmutig. Einmal, zweimal, drei… Ach, da kommt endlich jemand, entriegelt die Tür, öffnet und lugt schließlich vorsichtig heraus. „Wissen Sie, wie spät es ist?“
Oh ja, ich weiß. Aber ich hab ja nen triftigen Grund – und werde deshalb gleich darauf freundlich eingelassen. Die Nachbarn suchen die Nummer im Telefonbuch, rufen an.
Klar, dass ich ran muss, als da jemand abhebt. Wieder erkläre ich die Situation.
„Wissen Sie, wie spät es ist?“
Oh je.
Zwei Sätze später weiß ich, dass die ‘Kinder’ am Freitag dagewesen sind, Tiger also wirklich schon wieder seit zwei Tagen eingesperrt ist. Aber ich weiß auch, dass sie sich auf den Weg machen, um den Kater mal wieder zu retten.

Beim letzten Mal hatten wir eine glücklichere Uhrzeit für die Rettung ausgesucht, da waren die ‘Kinder’ freundlicher gewesen. Nicht gerade überschwänglich, aber im Rahmen. Diesmal bleiben sie mürrisch und wortkarg, lassen sich lediglich zu einem: „So eine dumme Katze“ hinreißen.
Was ich augenblicklich bestätige. Sich ein zweites Mal im selben Haus einsperren zu lassen, spricht wirklich nicht für große Intelligenz.
Zumindest für Menschen-Intelligenz. Wer kann denn schon beurteilen, was es für Katzen Wichtiges dort zu erschnüffeln und entdecken gibt? Die Quelle unseres beständigen Mäusesegens ist das Haus ja allemal.

Nachbarhaus Fenster mit RahmenEin Abenteuer geht glücklich zu Ende

Wie auch immer, eine halbe Stunde später ist Tiger befreit und geht mit uns nach Hause zurück. Er hat abgenommen und bekommt gleich mal eine tüchtige Portion seines geliebten Dosenfutters. Ob er sich diesmal merken wird, dass dieses Haus da drüben vielleicht gut riecht und geheimnisvoll auf sein kätzisches Entdeckergen wirkt, aber dennoch besser tabu bleibt?
Es wirkt ganz so, Tiger ist völlig durch den Wind. Laut maunzend (er hat wirklich ein kräftiges Organ), läuft er durchs Haus, ruft seine Lieben zusammen, muss sich bei jedem einzelnen vergewissern (auch beim Hund), dass immer noch alles beim Alten ist. Wenn wir dieses Nervenbündel auf den Arm nehmen, strampelt er, muss runter, muss seine Aufregung in Bewegung umsetzen.
Das geht bis tief in die Nacht so. Er lässt sich streicheln, aber nicht hochnehmen, frisst kleine Häppchen, kommt nicht zur Ruhe. So aufgeregt habe ich ihn noch nie gesehen. Diesmal scheint ihn das Eingesperrt-Sein wirklich mitgenommen zu haben.
Am nächsten Tag ist er sooo liebesbedürftig, dass ich ihn sogar bürsten darf. Und endlich auf den Arm nehmen.
Ich glaube, er hat seine Lektion ‘gefressen’.

Inzwischen ist Tiger wieder ganz der Alte und zu seinen Alltagsvergnügungen zurückgekehrt.
Derweil können wir ja überlegen, ob wir nicht irgendwo ins Nachbarhaus eine Katzenklappe einbauen. So ganz heimlich.
Dann können wir uns nämlich ganz beruhigt zurücklehnen, wenn Tiger mal wieder seine Indiana Jones-Gene entdeckt und auf Abenteuer-Tour geht.