Drei Jahre ohne Oskar …

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Hmm, irgendwie aber auch nicht wirklich ohne ihn …

Oskar!

Ich, Runa, bin eigentlich gar kein Hundemensch. Und er war ja nicht mein Hund, ich kenne ihn erst seit 2009, seit Maria in mein Leben getreten ist. Hatte vorher eher weniger Berührungspunkte mit Hunden, und auch danach beschränken die sich auf Marias heutige – die ich auch lieb habe, keine Frage. Trotzdem ist Oskar ganz besonders in meinen Gedanken. Und echt oft, immer noch.

Wenn ich Marias leckeren Erdbeerkuchen mit Quarksahne mache, denke ich daran, dass er einmal einen Dreiviertelblech davon raubte – und dass das einer der wenigen Anlässe war, wo er hinterher wirklich satt war und absolut befriedigt mit wohlgewölbtem Bauch auf der Seite lag und diese Glückseligkeit genoss. (Welche ihm meines Wissens nur noch ein einziges weiteres Mal vergönnt war, nämlich als ihm gelang war, eine neugekaufte und noch nicht verräumte Trockenfutterpackung aufzubeißen und die Zeit, bis mensch das realisierte, effektiv zu nutzten.)
Zu Ostern kommt bei mir und meinen Söhnen regelmäßig das Gespräch darauf, wie Oskar bei der Eiersuche einmal schneller war, ziemlich viele Schoko-Eier mitsamt der Alu-Haut vertilgte und – für Söhne natürlich noch viel lustiger – bunt wieder ausschied. (Ebenso verfuhr er mit einer berühmten Nascherei „ohne Schokolade“, jedes Teil einzeln verpackt – wo nur die Schachtel übrigblieb. In der Mitte des Tisches, wo man sie abgestellt hatte.)
Dann Oskar als Marmorkuchen – blond mit brauner Maserung – immer wenn er einem Wasserloch zu nahe kam, aber besonders auch, als Maria und ich damals Mattis‘ Berghütte in Tirol einen Besuch abstatteten.

 

Ach, und auf Ernberg war er doch auch mit!

Oskar, Maiskolben fressend, in ‚Lucidor‘, dem Schauplatz von Marias allererstem Buch … Schade, dass es kein Foto von ihm dort gibt!

Es ist natürlich kein Zufall, dass die meisten Anekdoten irgendwas mit Essen zu tun haben. 🙂

Wie gesagt, ich bin kein Hundemensch. Aber wenn ich doch mal einen Hund haben sollte, wird es ein blonder Labrador sein. Nicht weil ich Oskar klonen wollte, oh nein, er wird immer seine ureigene Person bleiben. Sondern einfach, weil er für mich der Inbegriff eines Hundes geworden ist.

Deshalb ist es auch so leicht, ihn zu schreiben. Und macht solchen Spaß. Wer es nachgelesen hat oder das noch tun mag: In unserer Krimireihe ‚Kirschblau‘ lebt Oskar und wird unsterblich sein.

Die folgende Szene liegt schon eine Weile auf der hohen Kante. Ob sie der Beginn des dritten Teils sein wird, steht noch in den Sternen. Sicher ist: Oskar leibt und lebt darin und sorgt dafür, dass auch Ella und Thorsten davon angesteckt werden.

Oskar und der Gummibaum

„Was habt du und Freiberg denn gemacht, wenn ihr einen Fall abgeschlossen hattet?“, fragte Ella, während sie auf die Holzbrücke zu gingen.
„Er war ständig im Utgard, das ist eine Kneipe in der Gaetje-Straße. Da bin ich manchmal mit.“
„War er auch mal im Tortenstübchen?“
„Mal.“
„Nicht so oft wie wir?“
„Nein. Dazu fehlte ihm der Hu…“
„Oskar, hierher“, zischte Ella unvermittelt los. Viel zu leise allerdings, die paar Male, wo der Hund gehorcht hatte, hatte sie richtig brüllen müssen. „Oskar, komm zurück!“
Von ihren Wünschen ganz und gar unbehelligt, war der auf die Holzbrücke geschossen und peste auf zwei junge Leute zu, die dort knieten.
War denen was runtergefallen? Erst einmal mussten sie zusehen, dass sie nicht umkippten, denn Oskar stürzte sich wuffend und wedelnd mitten auf sie.
„Oskar, lass die Leute in Ruhe!“ Ein bisschen lauter war Ella geworden.
Doch der Herr Hund war viel zu beschäftigt, um zu hören, geschweige denn, aufzuhören mit seiner Fremden-Abknutsch-Mission.
Mit diesen Fremden stimmte etwas nicht. Jeder vernünftige Mensch wäre längst aufgesprungen und hätte diesen penetranten Hund so in seine Schranken gewiesen. Warum blieben diese beiden da hocken und ließen Oskars Attacke über sich ergehen?
„Können wir helfen?“, rief Thorsten scharf, während er schon auf die Brücke rannte. Irgendwas war da eindeutig nicht in Ordnung. „Ist jemand verletzt? OSKAR, HIER.“ Ja, warum sollte er sich nicht auch mal als Befehlshaber versuchen? „HIERHER, SOFORT.“
Ha, das war gut gewesen! Der Hund hatte auf der Stelle innegehalten und sich zu ihm umgedreht. Eher erstaunt als gehorsam, aber was sollte es? „Komm her!“, setzte Thorsten nach und klopfte sich auf die Oberschenkel, wie er es andere Hundehalter hatte tun sehen.
„Na, komm, Dicker, komm her!“ Ellas Stimme war wieder in ihren freundlich zwitschernden Höhen angelangt. Da würde ihr Dicker ihr was husten.
„Ist schon gut, wir sind fertig.“ Ah, die Oskar-Opfer waren doch in der Lage gewesen, auf die Beine zu kommen. Es war ein junges Pärchen. Das jetzt Hand in Hand und mit dem üblichen Rosa-Wolken-Grinsen vor ihnen stand. Die Frau schwenkte triumphierend die Hand. „Hier, der Schlüssel.“
„Äh, der gehört uns nicht“, wehrte Thorsten verdattert ab.
Die Frau und Ella lachten.
Irritiert fuhr er zu ihr herum. Was hatte sie mit den beiden zu schaffen?
„Der Schlüssel gehört zu ihrem Schloss.“ Grinsend wies Ella auf den Boden.
Hä? Da war doch aber kein …
Sie stupste ihn an. „Die Schlösser. Siehst du nicht?“
„Die …“, Schlösser, ja klar. Das ganze Brückengeländer entlang. Diese neue Mode, sich als Romeo und Julia zu verewigen, indem man ein Vorhängeschloss kaufte, selbiges an ein Brückengeländer anschloss und … Angewidert verzog Thorsten den Mund. „Müsst ihr den Schlüssel nicht ins Wasser werfen?“ Damit er dann zusammen mit den tausend anderen im Ostseeschlick vor sich hin rosten kann, während ihr zwei längst schon mit Tristan und Isolde zusammen seid?
Dass seine Ironie ankommen würde, hatte er natürlich nicht erwartet. „Wollen wir?“ Mit noch verklärterer Miene zupfte Julia an Romeos Jacke, als hätte Thorsten sie erst auf die Idee gebracht.
Der junge Mann hörte nicht auf, Oskar zu tätscheln, als hätte der ihnen einen großen Dienst erwiesen. Oder wollte er ablenken?
Komm, Junge, noch hast du Zeit, wieder aufzuschließen!
Julias freie Hand langte nach Romeos, führte sie zu ihrer anderen, zum Schlüssel.
Naaa? Tust du’s?
Natürlich nicht. Stattdessen ließ er sich von Julia zu einer Runde Näseln einladen. Und zugleich schlossen sich ihre beide Hände einträchtig um den Schlüssel. Keine Chance mehr, sich da rauszuwinden.
„Na los“, rief Ella, klatschte lachend in die Hände und rammte Thorsten auffordernd den Ellenbogen in die Seite.
Klatschen? Die beiden anfeuern, ihr Teil zur Verschmutzung der Weltmeere beizutragen – für nix und wieder nix? „Ist das euer erstes Schloss?“, fragte er finster.
Verständnislosigkeit in beiden Gesichtern. „Klar. Wir haben heute unseren ersten Jahrestag.“
„Herzlichen Glückwunsch“, juchzte Ella.
„Solltet ihr dann nicht besser noch ein paar Jahre abwarten?“
„Thorsten.“ Dieser Rippenstoß war härter als der erste.
„Wir sind uns sicher“, verkündete Julia voller Inbrunst.
„Ja“, beeilte Romeo, es ihr nachzutun. Zog Julia näher an die Brüstung – und hob ihre Schlüsselhand darüber. „Bereit?“
„Ja!“
Thorsten verzog das Gesicht, weil auch er unwillkürlich die Luft angehalten hatte. Dabei war der Plumps im Schwappen der Wellen nicht mal zu hören gewesen.
„Das ist so romantisch“, schwärmte Ella neben ihm. „Danke, dass wir bei eurem großen Augenblick dabei sein durften.“
„Euer Hund bringt Glück.“ Nun kniete Julia sich zu Oskar.
Romeo zwinkerte Thorsten zu. „Na, dann mal los.“
Was? Erst im zweiten Moment realisierte der, dass er keineswegs gemeint hatte, ihren Weg fortzusetzen.
„Oh, wir sind kein Paar“, meinte Ella, die anderen aufklären zu müssen.
„Nicht? Das hätte ich aber jetzt gedacht.“ Julia richtete sich auf und grapschte nach Romeo, als müsste sie sich gegen die Ungläubigen schützen.
„Was nicht ist, kann ja noch werden.“ Romeo hob seine Hand und Julias mit.
„Irgendwann will ich jedenfalls auch so ein Schloss“, verkündete Ella und tätschelte Oskar. Sollte sie das doch mit dem machen.
„Wir müssen jetzt.“ Thorsten winkte und setzte sich in Bewegung – und ärgerte sich, dass er trotz allem automatisch nach den Schlössern schielte, als er auf der betreffenden Höhe war.
„Das lila“, flüsterte Ella.
„Das wirst du jetzt jedes Mal anstarren, wenn du hier vorbeikommst, habe ich recht?“, brummte Thorsten genervt.
„Du auch“, erwiderte Ella vergnügt.
„So ein Quatsch.“
Sie lachte. „Denk nicht an einen Gummibaum.“
„Gummibaum? So ein Quatsch.“
„Wart’s nur ab.“ Zufrieden vor sich hin grinsend, wanderte Ella neben ihm her dem Borbyer Ufer entgegen.

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