Ein Roman, fast wie ein Märchen …

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Schreiben und geschrieben werden

Manche Dinge sind schnell erledigt. Andere dauern ein bisschen länger.
Als ich, Maria, 2008 mit dem Schreiben begann, war ich blitzschnell. In drei Monaten einen 700 (Norm)Seiten Schmöker schaffen? Kein Problem!
Ja, da waren die Zeiten noch einfach. Nichts und niemand wartete auf mein Geschreibsel. Ob ich heute oder morgen damit fertig werden würde, spielte überhaupt keine Rolle.
Hm, das richtige Argument für hohes Schreibtempo ist das aber nicht.
Aber es fehlt ja auch noch was: Ab dem Moment, wenn mal ein Buch veröffentlicht ist, bekommt alles einen ganz eigenen Drive. Weil plötzlich andere Interessen mit hineinspielen. Beispiel gefällig?

Verlagsjagd

2012 haben Runa und ich Flederzeit Teil 1 geschrieben, damals noch, um dafür einen Verlag zu finden. Ganz naiv glaubten wir, dass ein gutes Buch selbstverständlich auch angenommen werden würde. Wir feilten also gründlich an unserer Geschichte und schickten sie schließlich ab. Dann warteten wir. Und warteten. Und warteten.
Die ‚Flederzeit‘ war von vornherein auf mehrere Teile ausgelegt, also machten wir uns hurtig an Teil 2. Doch als von Verlagsseite erst mal nicht wirklich viel geschah, fragten wir uns schon, ob es Sinn macht, eine Geschichte fortzusetzen, die keiner drucken will.
Es war und ist ja nicht so, dass es uns an Ideen mangelt – und so war es ein Leichtes, Stoff für einen neuen Roman zu finden. Mit Vampiren sollte er diesmal sein, wenn Fledermäuse alleine nicht ausreichend waren. Auch mit ein bisschen Magie, schließlich liegt Runa und mir Fantasy sehr. Und ja, historisch musste es auch sein, denn historische Romane ‚ziehen‘. Hieß es damals zumindest.
Also losrecherchiert …

 

Blogbeitrag Ein Buch fast wie ein MärchenFürstin Eleonore von Schwarzenberg

Mensch, da gibt es ja die Fürstin Eleonore von Schwarzenberg, genannt ‚die Vampirprinzessin‘. Weil sie seltsam war und weil sie in der Zeit der großen Vampirhysterie dort lebte, wo die am schlimmsten tobte: in Böhmen.
Wir vertieften uns also in ihre Geschichte. Die voller Tragik und Drama steckte, voller Trostlosigkeit und letztendlich Resignation.
Naja, also so richtig toll geeignet für einen packenden Roman war der Stoff nicht. Irgendwie viel zu traurig. Jedenfalls für uns Happy-End-Schreiber.
Aber wenn wir nur den einen Aspekt herausgreifen würden, die Zeit, in der Eleonore von Schwarzenberg glücklich gewesen sein musste – und das Ganze mit erfundenen Schicksalen verknüpfen würden? Ja, so konnte das gehen!
Die Rahmengeschichte war rasch entwickelt: Die blutjunge Adela gerät als vermeintlicher Vampir ins Visier der Vampirjäger, muss flüchten – und findet nur Hilfe beim undurchsichtigen Tiro, der sie auf Schloss Krumau bringt. Dort läuft sie der Fürstin in die Arme, die sie prompt als Magd einstellt. Aber als eine mit ganz besonderen Aufgaben: Adela soll fortan die Wölfinnen melken, denn die Fürstin gelüstet es nach Wolfsmilch. Doch Tiro hat ganz andere Pläne mit Adela. Und als Vampire im Schloss zuschlagen, gerät Adela erneut unter Verdacht …
Wir legten also los. Oh ja, anfangs lief es wirklich gut, wir kamen, wie gewohnt, rasch voran. Doch es zeigte sich, dass es eine Sache ist, über eine Burgruine zu schreiben und die einfach ‚heil‘ zu erfinden, wie wir das mit Ehrenberg in der Flederzeit gemacht hatten. Eine ganz andere jedoch war es, ein komplettes Schloss zu beschreiben, das vor über zweihundert Jahren schon ebenso ausgesehen hat wie heute.

 

Schloss KrumauBesuch an Ort und Stelle

Und so machten wir uns auf den Weg nach Krumau, Böhmisch Krumau oder Cesky Krumlov. Stadt, Schloss, die Vampirgräber – wow! Mit Bildern im Kopf, so sagten wir uns, würde die Geschichte jetzt rasch weitergehen.
Mittlerweile waren wir in Bezug auf unsere Flederzeit zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Verlage für alles mögliche interessieren mögen, nicht jedoch für uns.
Und so wurden wir Ende 2012 Selfpublisher.
Hui. Wer hätte das gedacht? Die Flederzeit wurde gekauft und gelesen. Sie wurde gelobt und auch verrissen. Egal, egal, wir waren endlich dort angelangt, wo wir schon lange sein wollten: Beim Leser.
Jetzt war es dringend notwendig, Teil 2 zu veröffentlichen. Also musste die Vampirprinzessin auf Eis und wir tobten uns wieder auf Burg Ehrenberg und im Jahr 1293 aus. Danach, so meinten wir jedenfalls, würden wir flugs mit unserer Vampirprinzessin weiterkommen.
Wir haben sogar einen Anlauf genommen, damals, 2013. Und 2014, nach Vollendung des 3. Teils der Flederzeit nochmals.
Aber dazwischen kamen wir auch noch auf verschiedene andere Ideen. Zum Beispiel, weitere bereits geschriebene Geschichten, die in der Schublade geduldig warteten, als E-Books aufzubereiten.
Aber dann … wir lasen das nochmals, was von der Vampirprinzessin bereits existierte – und waren begeistert. Erstens, weil es schon richtig viel war, etwa zwei Drittel des Romans und zweitens, weil es echt klasse war. Den Rest würden wir schnell fertig haben. Also los.

Eigentlich, fiel uns dann ein, weil die Flederzeit sich wirklich gut gemacht hatte, wäre es schade, den Lesern unsere ebenfalls schon lange geplanten Zusatzgeschichten, Spinn-Offs, um genauer zu sein, vorzuenthalten. Also unterbrachen wir die vielunterbrochene Geschichte um Adela und ihren merkwürdigen Freund Tiro nochmals und schrieben ‚Der Knappe der Junkersfrau‘ und ‚Urlaub im Mittelalter‘. Aber danach …
Danach bearbeiteten wir noch eine bereits geschriebene Geschichte, Runa schrieb sogar noch zwei weitere Bücher (sie ist echt so schnell geblieben, schreibt wie der Teufel). Keiner sprach mehr von der ‚Vampirprinzessin‘. Sie war irgendwie sanft in einen Dornröschenschlaf gesunken.

 

Rosenhecke für BlogbeitragDa wuchs die Hecke riesengroß

Aber nun sind die ‚hundert Jahre‘ endlich vorüber. Der strahlende Prinz der Inspiration kam nämlich plötzlich angeritten und hat mit seinem Schwert eine Schneise in die inzwischen wundervoll blühende Rosenhecke geschnitten. Danach hat er sich über die Vampirprinzessin gebeugt und sie wachgeküsst.
Ja, wir können es kaum glauben, aber wir haben es tatsächlich geschafft. Unser Roman, den wir 2012 begonnen haben, ist endlich fertig!

 Die Vampirprinzessin

Da es eine wirklich interessante Dokumentation gleichen Namens gibt, von Klaus Steindl und Andreas Sulzer, über die Vampirhysterie damals, in deren Mittelpunkt tatsächlich Fürstin Eleonore von Schwarzenberg steht, haben wir uns allerdings für einen anderen Buchtitel entschieden:

Blut wie rot

Klingt fast wie im Märchen, gell? Und genau das ist es. Fast ein Märchen. Aber eben nur fast!

 

Übrigens: ‚Blut wie rot‘ wird am 1. September 2015 veröffentlicht!

Ludwig XIV. sei Dank!

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Was macht Sprache ‚modern‘?

Historische Romane schreiben – wie oft werden wir dafür gerügt, angeblich zu moderne Begriffe und Umschreibungen zu benutzen. Unser letzter Blogbeitrag handelte schon davon. Aber es nützt offensichtlich nix zu betonen, dass Mittelhochdeutsch und selbst Frühneuhochdeutsch, die Sprachen, die damals gesprochen worden sind, sich für uns heute fast wie Fremdsprachen anhören würden.
Okay (englisch, modern und keinesfalls für historische Romane zu verwenden), dann nehmt das!

„Das Trepizzen seines Burds war Mila algerehte kund – ob ihr das boresere swaere war. Sie hätte alsmaere verschwiegen, dass ihre kniebeine broeder wurden und ihr ader bezzerte, ob sie ihre besamenunge bekehrte: Sie vermochte es nicht abestoeren.“
Das ist der Beginn unserer Zeitreise-Trilogie ‚Flederzeit‘ in wirklich zeitgemäßer Sprache (Teil 1: Die Drohung). Nein, leider nicht auf Mittelhochdeutsch – auch wenn Runa damals in der Schule einen diesbezüglich sehr engagierten Deutschlehrer genossen hat, ist das zu lange her, als dass sie hier eine exakte Übersetzung hinlegen könnte. Aber sie hat sämtliche ‚ausländischen‘ Lehnworte ausgemerzt und durch mittelalterliche Begriffe ersetzt.
Klingt doch geradezu exotisch, oder?

 

Buch für Lui XIVWie reden wir denn?

Zu allen Zeiten hatten die Menschen die Worte, die sie nun mal brauchten. Dass die heute oft ganz anders lauten als damals – liegt daran, dass sich eine Sprache unablässig verändert. Ausländische Einflüsse wirken hinein. Ins Urdeutsch, soweit man davon sprechen kann, denn lange gab es ja gar kein vereinheitlichtes Deutsch, flossen zuerst mal lateinische Ausdrücke (Fenster, Tür, Tisch, Bett). Dann kamen die Griechen dazu (Lampe, Theater, Bibel). Im 17. Jahrhundert war dann Frankreich sehr modern (Fassade, Idee, schikanieren). Heute ist es Englisch. Unsere Urgroßmütter und -väter würden so manchen Ausdruck von uns heute nicht mehr verstehen. Und in zwei, drei Generationen werden unsere Ur-urenkel die Köpfe über unsere altmodische Aussprache schütteln.

 

Lui XIVLeidenschaft für Pragmatismus

Fakt ist, Sprache ist uns sehr wichtig. Man könnte uns als Sprachfanatiker bezeichnen. Das heißt, wir schreiben nicht einfach irgendwie drauf los, sondern überlegen sehr genau, ob das Wort, die Umschreibung, die Redewendung in die Zeit passen, aus der wir erzählen.

Wie oft mussten wir in den letzten Jahren beim Schreiben innehalten – und unseren Kopf nach deutschen Ausdrücken für verbotene Wörter durchforsten?

Er hatte keine Chance. – Hilfe, französisch! – Was also stattdessen: Gelegenheit, Möglichkeit, Aussicht …?

Sie trat auf den Balkon. – schon wieder französisch! … auf die Galerie – klingt auch französisch, aber können wir das nehmen, wenn wir uns darauf berufen, dass das französische Wort doch von dem lateinischen Galeria abstammt? Oder bedeutete das Galeere? – … auf den Mauervorsprung mit Geländer – Ist Geländer ein deutsches Wort?

Bereits ins Mittelhochdeutsche sind neben lateinischen auch französische Begriffe eingeflossen, aber da wir eben keine Sprachwissenschaftler sind, haben wir uns lieber nicht darauf verlassen.

 

Vive la France – Freiheit für Winacht & Noel

Bei unserem neusten historischen Roman, der in Kürze erscheinen wird, haben wir uns dieser Quälerei jedoch entbunden – er spielt nämlich nach Ludwig dem XIV., der eine richtige Modewelle von französischen Fremdwörtern ausgelöst hat. Naja, zumindest in der Welt der feineren Leute, und unsere Hauptpersonen leben auf einem fürstlichen Schloss. Da werden sie doch auch die Chance haben, so einige chique neue Vokabeln aufzuschnappen!

 

Kabarett, das uns aus der Seele spricht

Wie wir neulich festgestellt haben, sind wir nicht die Einzigen, die sich mit derlei Fragen beschäftigen. Auch der Kabarettist Thomas Freitag hat sich des Themas auf sehr amüsante Weise angenommen.

Aber seht selbst! Fremdwörter in Schillers Glocke