Neue Homepage – alte Geschichte

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Dürfen wir vorstellen – unsere nigelnagelneue Homepage. Sie glänzt und glitzert, so frisch ist sie, sie duftet und strahlt.
Bis so eine neue Homepage an den Start gehen kann, stecken viele Stunden Arbeit darin. Die vor allem René, mein Mann (hier schreibt nämlich Maria) gemacht hat. Ihm gebührt ne Menge Dank für viele Sams- und Sonntage, die er deshalb vor dem PC verbracht hat.
Beim Überprüfen, für das Runa und ich zuständig waren, ist uns dann aufgefallen, dass ein Blogbeitrag fehlt. Ein ganz alter. Aber weil er so amüsant ist, haben wir ihn aus den Tiefen meines PC’s gekramt – und Tataaaa – hier ist er: Indiana-Tiger. Viel Spaß!

Indiana Tiger – unser Abenteuerkater

Unser Tiger ist weg. Schon seit zwei Tagen, wie man unschwer an den unberührten Futternäpfen feststellen kann. Seltsam eigentlich, dass sie voll geblieben sind, denn wir haben drei Katzen. Was fressen denn die anderen beiden? Nur Trockenfutter?
Na, wie auch immer, wir suchen nach unserem Kater. Er ist sehr zutraulich und neugierig, läuft überall hin – und wird dabei auch mal versehentlich eingesperrt. Einmal war er vier Tage im leerstehenden Nachbarhaus … Wir klettern flugs über den Zaun und lugen dort in die Fenster.
Naja, einen Versuch war’s wert.
Vielleicht – ein Haus weiter ist heute jemand ausgezogen?
Aber nein, dort ist er auch nicht. Steckt er womöglich im Umzugswagen und fährt gerade in die weite Welt hinaus? Mir wird ganz anders. Nie mehr wird er dann zu uns zurückfinden.

Er fehlt uns. Tiger ist so gesellig, begrüßt uns stets in der Einfahrt, wenn wir nach Hause kommen, geht mit, wenn der Hund Gassi geführt wird, liegt in der Fensternische, wenn wir am Esstisch daneben essen. Morgens fordert er laut maunzend seine ‘Guten-Morgen’-Milch und ein paar Bröckchen Hunde-Trockenfutter. Wenn eine geschlossene Tür seinen Weg versperrt, plärrt er empört durchs ganze Haus. Und er beschenkt uns mindestens einmal wöchentlich mit einem Mäuschen. Da er uns mittlerweile für fortgeschrittene Mäusebeseitiger hält, meist sogar mit einem lebendigen. Was zu recht lustigen Mäuse-Einfang-Szenen bei uns führt. Inzwischen haben wir richtig Übung, fangen die Mäuse mit einem Glas, damit wir sie hinterher noch ausgiebig bewundern können, ehe wir sie an einem vor den Katzen sicheren Ort wieder in die Freiheit entlassen.

So einen Kater vermisst man sehr schnell und sehr schmerzlich. Niemand, der uns irgendwo abholt und unmissverständlich klarmacht, dass JETZT Fütterzeit ist. Niemand, der im Bett liegt, wenn man hineinschlüpfen will und sich nur sehr schwer zur Seite schieben lässt. Und niemand, der in meinem Arm liegt, den Kopf an den Hals geschmiegt. In den er dann, laut vor Wonne schnurrend, hineinbeißen muss. Ganz zart und liebevoll natürlich.

Nein, es geht nicht ohne ihn. Wir brauchen unseren Tiger wieder. Und deswegen suchen wir. Klopfen an Haustüren und bitten darum, Garagen und Keller zu öffnen. Wir finden ihn nicht.
Darüber wird es Abend.
Ich gehe ins Haus, die anderen Tiere füttern, mein Mann bleibt draußen und ruft.
Schließlich stürmt er herein: „Tiger ist doch im Nachbarhaus, gerade habe ich ihn gehört und eben auch gesehen.“

Nachbarhaus ganz mit Rahmen Das unheimliche Nachbarhaus

Das Nachbarhaus, ich habe es ja schon erwähnt, steht leer, seit seine uralte Bewohnerin vor etlichen Jahren ins Altersheim gegangen ist. Deren Kinder kommen ab und zu vorbei und pflegen den Garten. Wobei man sich hier unter dem Begriff ‘Kinder’ – Siebzigjährige vorstellen muss, schließlich ist die ehemalige Nachbarin mittlerweile fast hundert Jahre alt.

Während der Garten unverdrossen gedeiht, verfällt das alte Haus zusehens. Die Vorhänge in den Fenstern sehen aus wie abgeknabbert – und sind es wahrscheinlich auch. Für Mäuse ist es sicherlich ein Traum. Für uns weniger, denn klappernde Fensterläden und wackelnde Dachantennen bei Nacht machen das Nachbarhaus ein wenig unheimlich.

Heute ist jedoch für Grusel und Co keine Zeit. Es ist Sonntag-Abend, halb zehn. Wir wissen weder, wie die ‘Kinder’ heißen, noch, wo sie wohnen. Aber es gibt andere Nachbarn, ebenfalls über Siebzig, die wissen es. Brennt bei denen vielleicht noch Licht?
Es ist peinlich, aber was sollen wir tun? Tiger noch eine Nacht eingesperrt lassen? Eine Scheibe zertrümmern?
Ich klingle todesmutig. Einmal, zweimal, drei… Ach, da kommt endlich jemand, entriegelt die Tür, öffnet und lugt schließlich vorsichtig heraus. „Wissen Sie, wie spät es ist?“
Oh ja, ich weiß. Aber ich hab ja nen triftigen Grund – und werde deshalb gleich darauf freundlich eingelassen. Die Nachbarn suchen die Nummer im Telefonbuch, rufen an.
Klar, dass ich ran muss, als da jemand abhebt. Wieder erkläre ich die Situation.
„Wissen Sie, wie spät es ist?“
Oh je.
Zwei Sätze später weiß ich, dass die ‘Kinder’ am Freitag dagewesen sind, Tiger also wirklich schon wieder seit zwei Tagen eingesperrt ist. Aber ich weiß auch, dass sie sich auf den Weg machen, um den Kater mal wieder zu retten.

Beim letzten Mal hatten wir eine glücklichere Uhrzeit für die Rettung ausgesucht, da waren die ‘Kinder’ freundlicher gewesen. Nicht gerade überschwänglich, aber im Rahmen. Diesmal bleiben sie mürrisch und wortkarg, lassen sich lediglich zu einem: „So eine dumme Katze“ hinreißen.
Was ich augenblicklich bestätige. Sich ein zweites Mal im selben Haus einsperren zu lassen, spricht wirklich nicht für große Intelligenz.
Zumindest für Menschen-Intelligenz. Wer kann denn schon beurteilen, was es für Katzen Wichtiges dort zu erschnüffeln und entdecken gibt? Die Quelle unseres beständigen Mäusesegens ist das Haus ja allemal.

Nachbarhaus Fenster mit RahmenEin Abenteuer geht glücklich zu Ende

Wie auch immer, eine halbe Stunde später ist Tiger befreit und geht mit uns nach Hause zurück. Er hat abgenommen und bekommt gleich mal eine tüchtige Portion seines geliebten Dosenfutters. Ob er sich diesmal merken wird, dass dieses Haus da drüben vielleicht gut riecht und geheimnisvoll auf sein kätzisches Entdeckergen wirkt, aber dennoch besser tabu bleibt?
Es wirkt ganz so, Tiger ist völlig durch den Wind. Laut maunzend (er hat wirklich ein kräftiges Organ), läuft er durchs Haus, ruft seine Lieben zusammen, muss sich bei jedem einzelnen vergewissern (auch beim Hund), dass immer noch alles beim Alten ist. Wenn wir dieses Nervenbündel auf den Arm nehmen, strampelt er, muss runter, muss seine Aufregung in Bewegung umsetzen.
Das geht bis tief in die Nacht so. Er lässt sich streicheln, aber nicht hochnehmen, frisst kleine Häppchen, kommt nicht zur Ruhe. So aufgeregt habe ich ihn noch nie gesehen. Diesmal scheint ihn das Eingesperrt-Sein wirklich mitgenommen zu haben.
Am nächsten Tag ist er sooo liebesbedürftig, dass ich ihn sogar bürsten darf. Und endlich auf den Arm nehmen.
Ich glaube, er hat seine Lektion ‘gefressen’.

Inzwischen ist Tiger wieder ganz der Alte und zu seinen Alltagsvergnügungen zurückgekehrt.
Derweil können wir ja überlegen, ob wir nicht irgendwo ins Nachbarhaus eine Katzenklappe einbauen. So ganz heimlich.
Dann können wir uns nämlich ganz beruhigt zurücklehnen, wenn Tiger mal wieder seine Indiana Jones-Gene entdeckt und auf Abenteuer-Tour geht.