Thriller im Alltag

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Linus, seit fast vier Monaten unser Hund, ist ein richtiger Schlawiner geworden. Oh, er kann sehr brav und lieb sein. Aber eben auch das Gegenteil davon. Erst letztes Wochenende hat er ein Bravourstück geliefert:
Wir sind zu Oma und Opa gefahren. Weite Fahrt, Gepäck. Linus und Yoshi waren superbrav. Als sie erkannten, wohin die Reise ging, waren sie hocherfreut. Oma und Opa verwöhnen die Hunde sehr – und das allerbeste, sie haben selber einen, Teddy, ein totaaal verwöhntes, süßes Schoßhündchen. So weit, so gut.
Zur Begrüßung gabs für sämtliche Hunde Kauknochen, für die Menschen Kaffee und Kuchen. Torte, hm, lecker. Danach abräumen und die übermütig tollenden Hunde in den Garten schicken. Zum austoben.
Während sich die Menschenrunde mit Canasta vergnügte, markierten die Hunde den Garten. Einer nach dem anderen, immer wieder dieselben Stellen, so groß ist der Garten nämlich nicht.
Schließlich reichte es, Yoshi und Teddy wollten wieder rein. Linus, ach nein, der hatte noch Spaß im Garten. Auf dem Gartentisch stand nämlich etwas, was sehr verführerisch roch: Fettgebackenes Vogelfutter.
Wir lachten, als wir den hoch aufgerichteten Hund über die Schüssel gebeugt sahen. Und fotografierten. Hier ist der Beweis:

Linus-frisst-Vogelfutter-mit-Rahmen

Danach holten wir auch das Linus-Vögelchen herein. Und dann – tja, im Trubel muss uns entgangen sein, dass er rasch abhanden gekommen war. Meine Mutter fand ihn, ins Schlafzimmer gesperrt. Wo auch die Kuchen aufbewahrt wurden.
*seufz* Schnell war klar, Linus mag nicht nur Vogelfutter, sondern auch Sahnetorte. Mandarinen-Käse-Sahne, um genauer zu sein. Viel war nicht mehr übrig, der Sonntag würde kuchenlos verbracht werden müssen.
Linus‘ Bauch war mittlerweile eine pralle Trommel, er lag den restlichen Tag überwiegend auf der Seite und atmete schwer. Verständlich, gell?

In der Nacht rächte sich die Völlerei. Es zwickte und zwackte und rumpumperte in seinem Bauch herum. Linus war viel wach. Dann wollte er raus, nein, er musste … Ich war schnell mit ihm im Garten. Wo sich seine Not unerklärlicherweise in Nichts auflöste und ein kreuzfideler Hund herumstreunerte, auf der Suche nach einer weiteren Portion Vogelfutter. War aber nix.
Dafür stand ich dumm da. Im Schlafanzug, mit Hausschuhen, winkend, gestikulierend, um nur ja niemanden aufzuwecken. Aber Linus kam nicht.
Dafür löste er Einbrecheralarm aus.
Was ich nicht wusste: Meine Eltern hatten mittlerweile eine Alarmanlage installiert, die nicht nur das Außenlicht einschaltet, sondern auch laut und durchdringend piepst.
Ratsch ging der Rollo im Schlafzimmer hoch. Ich guckte nur ein bisschen blöd.
Meine Eltern waren ziemlich erschrocken, als sie eine Person in weißem T-Shirt im Garten stehen sahen. Den wahren Verbrecher erblickten sie allerdings nicht. Und sie hörten auch nicht mein verzweifeltes Gezische nach ihm.
Und so bin ich als waschechter, wenn auch etwas leicht bekleideter Einbrecher in die Familienannalen eingegangen.

Übrigens: Meine Eltern wirkten so gar nicht traurig, als wir uns am Sonntag, nach einem sehr kargen Kaffeetrinken, wieder auf den Heimweg gemacht haben.