Satz-Hatz

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Wir haben fertig gesetzt.

Nein, der vorhergehende Satz ist nicht falsch, hier geht es nicht um Grammatik, um Aufsatz oder sonst was, sondern ums Setzen. Und nein, es geht auch nicht ums profane Hinsetzen. Das wäre ja einfach. Es geht ums Buch-Setzen, darum, einen ganzen Roman in eine optisch ansprechende Form zu bringen, ehe man ihn als Buch drucken lässt.

E-Books Setzen ist einfach, schließlich kann sich der Leser auf seinem Lesegerät Schriftart und -größe selbst einstellen. Hier Vorgaben zu machen, wäre reine Zeitverschwendung.

Hurenkinder sitzen im ersten Stock, Schusterjungen im Keller

Anders beim gedruckten Buch. Hier legt der Setzer alles fest. Und das bedeutet, weit auseinander gezogene Zeilen, bedingt durch lange Wörter im Blocksatz und Hurenkinder müssen beseitigt werden.

Es gibt auch noch so was wie Schusterjungen, aber so weit wollten wir dann doch nicht gehen.
Zur Erklärung: Schusterjungen sind Absatzbeginne am Ende einer Seite.

Die haben wir ignoriert, haben uns ganz der Vermeidung der anderen Probleme (siehe oben) hingegeben. (Hurenkinder sind das Gegenstück zu Schusterjungs, nämlich das Absatzende in der ersten Zeile auf einer neuen Seite).

Nicht geschieden, aber getrennt

Also gut, wenn man sich das mal vorstellt, dann sieht das in etwa so aus: Nachdem man das gewünschte Buchformat eingestellt hat, die Schriftart und -größe, die optimalen Ränder, die Fußzeile für die Seitenzahl, betrachtet man die erste Seite. Alles hübsch gleichmäßig, oder sind da irgendwo die Abstände zwischen den einzelnen Wörtern zu weit auseinandergezogen? Was im Allgemeinen daran liegt, dass das erste Wort der Folgezeile zu lang ist, um noch in die obere Zeile zu rutschen.

Das muss dann also getrennt werden.
Müsste. Manchmal geht das nämlich nicht.

Warum, zum Teufel, gibt es nur so verdammt lange Silben? ‚Schwimmt, schwitzt, Schrift, schlimm, Schritt, schnappt‘ – sind untrennbar. 6, 7 oder 8 Buchstaben in nur einer Silbe? Und hier der Hammer: ’schluchzt‘ – neun Buchstaben!

Wobei der Übeltäter schnell (einsilbig, 7 Buchstaben) ausgemacht ist: das ’sch‘. Drei fette Buchstaben, die wie einer gesprochen werden (im Falle von ’schluchzt‘ noch ein ‚ch‘ hinterher).

Wie soll man denn da einen vernünftigen Satz hinkriegen, hä?

 

Vom Stauchen und vom Streichen

Nun ja, da gibt es schon Möglichkeiten. Stauchen (die Buchstaben einzelner Wörter oder Sätze enger setzen) ist eine. Eine nächste – Wörter streichen. Oder eines einfügen.

Hach, Satz ist ein einziger Kampf. Wobei ich zugeben muss, dass es sehr hübsch ist, zu Absatzbeginn eine kleine Trennung zu machen, und schwupps, zieht sich der ganze restliche Absatz in eine ansprechende Form. Gesteigert wird das noch, wenn man dadurch eine Zeile am Absatzende einspart.

Aber Vorsicht! Das ist nicht immer ein Vorteil. Denn es kann sein, dass dadurch auf der Folgeseite ein Hurenkind entsteht. Dann heißt es wieder gucken, wo man eine Zeile einsparen kann. Oder hinzufügen. Absätze streichen oder neu machen, ist dabei probat.

Die Hurenkinder sind sowieso ein Problem für sich. Wer wie wir viele Absätze macht, produziert damit auch viele Hurenkinder. Die dann mühevoll beseitigt werden müssen.

Von daher ist Satz eine laaaaangwierige Angelegenheit.

Die Schreibprogramme bieten zwar eine Hurenkinderregelung an, aber die bedeutet lediglich, dass Zeilen der vorhergehenden Seite auf die neue rübergezogen werden. Guckt man sich so gesetzte Bücher an, so ergibt sich ein sehr uneinheitliches Bild. Mal endet eine Seite nach 28 Zeilen, mal nach 30. Also, diese Hurenkinderregelung vergisst man am besten wieder. Und macht sich an die Arbeit.

Die wir gerade hinter uns gebracht haben. Drei Teile Flederzeit, mehr als 1000 Seiten sind fertig gesetzt. *Schweiß wisch*

Stellen wir uns also den neuen Aufgaben, die unser harren.