Eklig …

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Kürzlich bei uns …

Sohn (laut rufend): „Mama, kannst du mal kommen?“
Ich (unwillig, weil gerade am Schreiben, aber ebenso laut): „Was ist denn?“
Sohn (hörbar anders als sonst): „Da ist was.“
Ich (aufstehend, weil hellhörig geworden, ist etwa Gefahr in Verzug?): „Wo und was ist ‚da‘?“
Sohn (mit jetzt gedämpfter Stimme, inzwischen deutlich näher gekommen): „Im Wohnzimmer. Etwas Riesiges. Es hat Flügel. Und Fühler. Es ist eklig.“
Ich (schnell wieder abgeregt, weil kein Dieb eingebrochen ist, kein Feuer unser Haus vernichtet, keine Überschwemmung droht. Das Phänomen ist mir bekannt und weist immer auf dasselbe hin): „Dann mach das Fenster auf und lass es raus.“
Sohn: „Das hab ich schon, es will nicht. Kannst du es nicht fangen?“
Ich (raffiniert, weil erfahren mit solchen Situationen und außerdem ja am Schreiben): „Können tu ich schon, aber mögen tu ich nicht.“
Sohn (mit deutlicher Verzweiflung in der Stimme): „Ach Mama, nimm ein Glas und fang es ein.“
Ich (seeeeehr freundlich): „Nimm doch du ein Glas …“
Sohn (nun weniger verzweifelt als verärgert): „Du weißt genau, dass ich mich da grause. Es ist wirklich riesig und wird mich angreifen.“
Ich (genervt über seine schon Jahre währende Hartnäckigkeit in dieser Sache): „Versteh ich nicht, kürzlich hast du doch die Maus einfangen, die die Katzen mitgebracht hatten.“
Jene putzmuntere Maus war beim Einfangversuch meinem Sohn über die nackten Füße gehuscht, was der stoisch hingenommen, der Maus einfach ein Glas übergstülpt, dann eine Postkarte drunter geschoben hatte – um das Tier dann im Garten wieder freizulassen.
Sohn (genervt die Augen verdrehend): „Du weißt genau, dass ich nur Angst vor Insekten habe. Die stechen und beißen.“
Ich: „Mäuse können auch beißen.“
Sohn: „Aber sie haben Haare.“
Ich: „Spinnen auch, zumindest manche.“
Sohn: „Ich mag nur Tiere mit vier Beinen. Alles andere ist eklig.“
Ich (rechthaberisch): „Vögel haben nur zwei Beine, Fische gar keine.“
Sohn: „Du weißt genau, was ich meine. Ich finde alles eklig, was mehr als vier Beine hat.“
Das Problem war somit eingegrenzt. Wenn auch nicht gelöst.
Ich (die listigen Gene meiner Vorfahren zückend): „Also gut, machen wir einen Deal. Du saugst oben, ich beseitige das gefährliche Riesenvieh.“
Sohn (kurzfristig nachdenklich): „Das ist gemein.“
Ich (gemein): „Das ist der Preis.“
Sohn (sichtlich überlegend): „Ich weiß nicht. Du musst doch nur mit einem Glas …“
Ich (immer noch gemein): „Du aber auch. Dann sauge ich.“
Sohn (flehend): „Ach Mama.“
Ich lächle und schweige. Deal ist Deal.
Sohn überlegt.
Und überlegt.
Und über… Nein, er schüttelt den Kopf, strafft die Schultern, geht zum Küchenschrank, reißt ihn auf, holt eines der großen Ikea-Gläser raus und zischt ab. Nicht ohne mir erbost zuzurufen: „Du wirst schon sehen, dass ich das nicht kann.“
Und dann zieht er in den Kampf.
Ich schlage mir innerlich auf die Schulter. Habe meinem Sohn soeben eine wertvolle Erfahrung ermöglicht, die ein 15-jähriger einfach mal machen muss, eine wichtige Vorbereitung auf das sich mit großen Schritten nähernde Erwachsen-Werden. Sein tapferer Entschluss lässt mein Mutterherz stolzer schlagen. Weil er bereit ist, sich der Gefahr zu stellen. Weil er siegen wird.
Zumindest hoffentlich.
Und so lausche ich von Ferne, wie mein Sohn seinem Schicksal entgegentritt. Und kämpft.
Mann gegen – Schmetterling.

Rezensionen, Lob, Kritik und solche Sachen

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So, der Urlaub ist vorüber, die Wäsche bereits gewaschen. Also auf zu neuen Taten an Schreibtisch und Computer. Doch nach einem Blick auf die Neuigkeiten, die Amazon zu bieten hat, bleibt mir erst einmal die Spucke weg: Rezensionen über Rezensionen. Gute und schlechte.

Gute Bewertungen lassen die Sonne aufgehen

 

Die guten sind, wie immer, eine einzige Freude. Es ist doch immer wieder schön, zu erfahren, dass man den Geschmack des Lesers getroffen hat.

Bei den schlechten muss die Sache differenzierter betrachtet werden: Wo ist die Kritik berechtigt? Weder Runa und ich sind vollkommen, wir machen Fehler, wir lernen dazu. Jemand, der uns auf Unzulänglichkeiten hinweist, ist uns deshalb wirklich herzlich willkommen.

Drei Gründe für schlechte Bewertungen

 

Aber das ist nur eine von mehreren Seite. Inzwischen haben wir gelernt, schlechte Kritiken in drei Kategorien einzuteilen

1. Die der Fehler. Schreiben unterliegt Regeln, die eingehalten oder missachtet werden können. Orthographie, Grammatik und Schreibtheorie gehören dazu. Sich als Kritiker an vorgegebene Regeln anzulehnen, bedeutet, den Text mit einer gewissen Objektivität zu betrachten. Für den Autor bedeutet das Nachvollziehbarkeit – und das auch, wenn er die Regeln mit Absicht umgangen oder ignoriert hat. Von Vorteil ist dabei jedoch, die Regeln zu kennen.

Das ist etwas, was Runa und ich uns auf die Fahnen schreiben. Deshalb prüfen wir sehr genau, wenn wir diesbezüglich kritisiert werden.

 

Bei 2. geht die Objektivität bereits flöten. Hier geht es um Geschmack. Genauso, wie wir mit unseren Geschichten den Geschmack des Lesers treffen können, kann natürlich auch das Gegenteil eintreten und wir liegen meilenweit daneben.

Wobei ich mich da manchmal schon ein wenig wundere, wenn genau dafür harsche Kritik eingeht. Im Gegensatz zum Buchladen, wo man lediglich auf Titel, Cover und Klappentext zurückgreifen kann, bietet eine Plattform wie Amazon darüber hinaus die Möglichkeit, 10 % des Buches als Leseprobe kostenlos runterladen zu können. Danach sollte doch wohl klar sein, wohin die jeweilige Geschichte marschiert. Um das Käuferrisiko noch weiter zu minimieren, hat man zusätzlich nach dem Kauf ein einwöchiges Rückgaberecht.

Das versuch mal im Buchladen!

Ich habe ja auch einen Kindle und lade mir Bücher runter. Dass ich mir einen Titel gekauft hätte, der so völlig abseits meines Geschmackes gelegen hätte, ist mir, ehrlich gesagt, noch nie passiert.

Aber vielleicht läuft es bei manchen Leuten so, wie gestern mit meiner Mutter. Sie rief mich an, um sich zu erkundigen, wie wir den Urlaub verbracht hätten, und ließ am Ende des Telefonats so ganz nebenbei einfließen: „Ich hab mir gestern übrigens euren Krimi runtergeladen.“

Wie bitte? „Welchen Krimi? Wir haben doch gar keinen Krimi …“

Na, euer neues Buch.“

Das ist aber ein heiterer, erotischer Liebesroman. Habt ihr denn gar nicht in die Produktbeschreibung reingeschaut?“

„Ach, und ich dachte, wegen des Titels.“

Sie hatten also nicht, sich aber schon auf einen Krimi gefreut. Eine Rezension, die aus solch einer Enttäuschung entstehen könnte, wage ich mir gar nicht vorzustellen!

 

Alle Rezensionen, die nicht unter die ersten beiden Punkte einzuordnen sind, fallen unter 3.

Ich will gar nicht weiter darauf eingehen, lediglich die Gemeinsamkeit benennen, die aus ihnen spricht: Missgunst. Diese Rezensionen sollen wehtun, sind oft haargenau auf das abgestimmt, was uns wichtig ist.

Das schaffen sie auch. Sie tun weh.

Erst einmal. Es ist, als würde uns jemand in die Kniekehlen schlagen mir den Worten: Lasst es, ihr könnt es nicht.

Unsere Lösung – Vernichtung in Motivation umwandeln

Wir leiden dann wirklich. Mehr oder weniger lange, das ist sehr unterschiedlich.

Doch nach ein paar Stunden, spätestens am nächsten Tag geschieht dann stets etwas Wundervolles – und eine neue Idee wird geboren, ein neuer Gedanke, eine Eingebung. Es ist wirklich so: Wir lecken unsere Wunden, erholen uns ein wenig und währenddessen, als wäre genau dieser Knieschlag notwendig gewesen, wächst die neue Idee.

Das geht schon lange so. Wir schreiben ja schon eine ganze Weile und schlechte Rezensionen sind nur das, was vorher Absagen waren, Ablehnungen und vernichtende Kritik. Genau so ist die Versuchung entstanden und die Flederzeit.

 

Und heute?

Es gärt bereits, ein neuer Plot wurde geboren. Aber der muss noch warten. Einige andere Projekte warten. Wir haben viel zu tun. Packen wir es also an.

Deshalb bleibt uns hier nichts anderes, als uns zu bedanken. Für alle Rezensionen, absolut alle!